Eine alpine Schneewanderung hinauf zum Griesslisee

Heute war der Start der alpinen Wandersaison. Obwohl in Höhen ab 1’800 Metern über Meer noch viel Schnee zu erwarten war, machten wir uns auf den Weg zur 1’952 Meter hohen Klausenpass Höhe.

Der Klausenpass ist ein Passübergang im Kanton Uri, der eine Verbindung vom Kerngebiet des Kantons über die im Winter durchgehend bewohnte Talschaft und deshalb funktionelle Exklave Urner Boden ins Glarnische ermöglicht. Der Pass führt von Altdorf im Kanton Uri durch das Schächental über die Passhöhe und die Kirchgemeinde Urnerboden nach Linthal im Kanton Glarus.

Der Bau begann im Jahre 1893 im Kanton Uri und zwei Jahre später dann auch in Glarus. Am 15. Juni 1900 konnte die Strecke schliesslich feierlich eingeweiht und von der ersten Postkutsche befahren werden.

Nachdem die Strasse für Autos fahrbar gemacht wurde, wurde erstmals im Jahr 1922 die Strecke auch von Postautos befahren, zunächst nur im Sommer, ab dem Jahr 1927 dann auch im Winter. Das Zeitalter der Postkutschen war damit zu Ende. Zuerst wurden die sogenannten Car alpin genutzt, im Jahr 1928 dann aber auf Allwetterfahrzeuge gewechselt. In den 1930er Jahren wurde die Strasse schliesslich geteert (Quelle: Wikipedia).

Postautofahrt über den Klausenpass - Quelle: Von Kreispostdirektion Luzern - PTT-Archiv, CC BY-SA 4.0
Klausenpass
Es kann losgehen !

Die Strasse ab Urnerboden hinauf zur Passhöhe wurde dieses Jahr etwas später eröffnet als noch in den letzten Jahren. An zahlreichen Stellen besteht grosse Steinschlag- und Lawinen-Gefahr, was immer wieder zu Zwischenfällen führte.

Wir sind gut auf der Passhöhe angekommen. Der Verkehr hielt sich unter der Woche in Grenzen. An schönen Wochenenden sollte die Fahrt über den Klausenpass  infolge des grossen Verkehrsaufkommens vermieden werden. Wir schnürten unsere Wanderschuhe. Es konnte losgehen.

Auf der Passhöhe liegt die Kapelle des Bruder Klaus, von wo aus man in den Wanderweg verzweigt. Aufgrund der weitläufigen Schneefelder ist dieser jedoch nicht auszumachen. Dank den modernen GPS Hilfsmitteln und den Mobilfunkgeräten ist dies auch nicht zwingend nötig. Nach wenigen hundert Metern querten wir das erste, grosse Schneefeld.

Klausenpass
Wir queren das erste, grosse Schneefeld

Danach folgten noch einige, kleine schneefreien Abschnitte. Ansonsten stiessen wir auf eine geschlossene Schneedecke in einer winterlich alpinen Landschaft. Schneeschuhe wären hier oben sicherlich kein Nachteil gewesen. Wir waren froh, dass wir unsere Ski- und nicht die Wanderstöcke dabei hatten. Die grossen Teller verhinderten, dass sich die Stöcke in den Schnee eingraben.

Auf der uns gegenüberliegenden Seite konnten wir beobachten, wie Fachkräfte eine steile Böschung emporstiegen und Sprengungen vorbereiteten. Wir vermuten, um Steinschlägen vorzubeugen. Die Sprengung war gut zu hören.

Clariden
Durch die winterlich alpine Landschaft mit dem Clariden Massiv im Hintergrund

Wir waren die einzigen Wanderer an diesem Tag und kamen gut voran. Wir näherten uns dem eindrücklichen Massiv des  3’267 Meter hohen Clariden, einer der markanten und bei Bergsteigern beliebten Gipfel der Glarner Alpen. Dafür, dass es hier oben immer wieder zu tödlichen Unfällen kommt, zeugen einige in einen grossen Felsen eingelassenen Gedenktafeln. Wir konnten auch Spuren von vierbeinigen Bewohnern dieser alpinen Landschaft ausmachen. Es handelt sich wohl um Gemsen. Aber auch Steinböcke nennen das Gebiet hier oben ihr zuhause.

Klausenpass
Es geht steil bergauf in Richtung Griesslisee

Es ging Schritt für Schritt steil bergauf. In der Ferne waren  zahlreiche Schneerutsche unterhalb des Gipfel des Clariden zu sehen und das Donnern der Steine, die in die Tiefe mitgerissen werden, zu hören. Der Griesslisee ist ein Gletschersee schön am Fusse des Clariden gelegen. Er ist lange nicht zu sehen. Erst als die Anhöhe, hinter welcher wir den See vermuteten, erreicht wurde, ist der zu sehen. Er liegt einem zu Füssen. Auf der Anhöhe lag stellenweise kein Schnee. Wir machten hier oben Pause und liessen alles auf uns einwirken. Es war wunderschön, einsam und karg.

Clariden
Der Griesslisee und der 3'267 Meter hohe Clariden

Eine grössere Fläche des auf 2’098 Meter über Meer gelegenen Griesslisee war schneefrei. Wir entschieden uns aus Sicherheitsgründen, nicht weiter über die Schneefelder hinunter zum See zu wandern. Das Risiko plötzlich einzubrechen, erschien uns zu gross. Im Sommer sollte es aber problemlos möglich sein.

Offenbar benötigen die Alpenblumen noch keinen vollen Sommer. Sobald der Schnee geschmolzen ist, erwacht die Natur, und wir konnten entlang des Weges an der Farbenpracht erfreuen. Sogar oben beim Griesslisee auf knapp 2’098 Meter Höhe blühte der Steinschmückel bereits.

Unter der Schneedecke waren die Gletscher, welche den Griesslisee speisen, zu sehen. Ob das alles im Sommer auch so wirken würde, fragten wir uns. Wir verweilten einige Zeit. Auch das Wetter war auf unserer Seite. War es zu Beginn eher

Clariden
Die Gletscher, welche den Griesslisee speisen

wechselhaft, machten sich jetzt die Sonne und mehrheitlich blauer Himmel breit. Es war Zeit, den Rückweg zum 150 Meter unter uns gelegenen Passhöhe anzutreten. So langsam aber sicher konnten unsere Bergschuhe die Nässe nicht mehr abhalten. So erreichten wir die Passhöhe mit ziemlich nassen Füssen. Das war nicht weiter schlimm, sind wir doch in unserem VW Bus gut ausgerüstet.

Nun war es an der Zeit, unser Picknick zu geniessen. Wir fuhren einige Spitzkehren hinunter in Richtung Urnerboden. Bei der Postauto Haltestelle Klus fuhren wir von der Strasse ab und parkierten unseren VW Bus direkt beim Fätschbach auf einer Art Alp, welche noch nicht bewirtet war. Alles sah danach aus, als ob die Ebene als Stellplatz genutzt werden darf.

Fätschbach
Wir machen es uns beim Fätschbach gemütlich und gniessen unser Picknick
Wasserfall
Unglaubliche Wassermassen

Wir befanden uns direkt unterhalb des Griesslisees, welcher oberhalb der steilen Felswände liegt. Die Unmengen an Wasser, welche lautstark senkrechten die Felswände hinunter donnern, stammen alle vom Clariden Massiv. Ich machte mich noch zu Fuss auf  in Richtung der Felswand, um einem Wasserfall, welcher aus zwei Löchern am unteren Ende der Felswand entspringt, näher zu kommen. Ich fragte mich, ob dies natürlich sei, oder die Löcher von Menschenhand angelegt wurden. Egal, eindrücklich war es allemal. Leider musste ich hier oben noch eine leere Glasflache Freixenet und einen Plastikbecher einsammeln. Schweine auf zwei Beinen halten sich leider auch hier oben auf. 

Ein toller und spontaner Ausflug in die winterliche Alpinwelt ging zu Ende, und unsere nassen Schuhe und Socken, die wir vor dem VW Bus auslegten, waren schon beinahe wieder trocken. Wir machten uns auf den Heimweg. Schön wars !

EIGENSCHAFTEN

Ausdauer
3.5/5
Schwierigkeit
3/5
Alpin
5/5
Voralpen
0/5
Wald und Wiese
0/5
Szenerie
5/5
Dauer
3/5
Spassfaktor
5/5
Verpflegung
4/5
ÖV Anbindung
3/5

DETAILLIERTE WANDERKARTE

GOOGLEMAPS KARTENANSICHT

PHOTO GALERIE

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Daniel sagt:

    Hallo

    Toller Beitrag zu einem der schönsten Orte in der Region Klausenpass. Wir sind mehrmals pro Jahr vor Ort und können uns nie satt sehen an diesem Naturschauspiel. Ihr sollte unbedingt im Spätsommer nochmals zurückkehren zum See und ihn ohne Schnee sehen. Sehr eindrücklich.

    Liebe Grüsse

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