Wir besuchen die Tuzigot und Montezuma Castle National Monuments

Nach der doch eher längeren Anfahrt von gestern und dem Einrichten auf dem Campground im Dead Horse Ranch State Park stand heute wieder viel interessante Geschichte auf dem Programm. Das fällt einem in dieser geschichtsträchtigen Gegen von Arizona ja auch nicht wirklich schwer. Als erstes besuchten wir das Tuzigoot National Monument, welches nicht weit vom Campground entfernt liegt. Das Visitor Center hatten wir ja gestern abend schon mal kurz besucht.

Die um das Jahr 1930 freigelegten Bauten wurden auf einem Hügel errichtet und sind der südlichen Sinagua Kultur zuzuordnen. Diese besiedelten die Gegend des Verde Valleys zwischen den Jahren 1’000 und 1’400. Die ursprüngliche Pueblo Siedlung umfasste zweistöckige Gebäude mit insgesamt 87 Räumen. Der Eingang in die Räume erfolgte mit wenigen Ausnahmen über Leitern durch die Dachöffnung und nur selten durch Türen. Die Anlage wurde in mehreren Phasen erweitert und wuchs von ungefähr 50 auf 200 Bewohner an. Es wurde Ackerbau betrieben und angepflanzt wurden Baumwolle, Mais und Bohnen. Zudem wurde kunstvolle Töpferware hergestellt. Im Visitor Center sind eindrückliche Exponate zu besichtigen. Wie wir schon bei anderen Besuchen gelernt hatten, wurde auch diese Siedlung um das Jahr 1’400 aufgegeben. Die Gründe dafür können nur vermutet werden. In Betracht kommen Dürre infolge einer Klimaveränderung, kriegerische Auseinandersetzungen oder einfach der Wille und Wunsch weiterzuziehen.

Die heute sichtbaren und grossteils rekonstruierten Mauern geben einen guten Eindruck über Grösse und Bedeutung der Sinagua Siedlung. Zahlreiche andere bekannte Anlagen in der Region werden aus Respekt nicht ausgegraben. Das ist auch in Ordnung. Das Wort Tuzigoot stammt aus der Sprache der Apachen und bedeutet soviel wie schlechtes Wasser.

Nach der Besichtigung der Anlage steuerten wir nochmals das Visitor Center an, um die kleine aber sehr feine Ausstellung im Detail zu studieren. Dann ging es weiter zum Montezuma Castle, welches ebenfalls den geschützten Status eines National Monuments besitzt. Es liegt rund 30 Autominuten vom Tuzigoot National Monument entfernt.

Dort eingetroffen, waren wir über die grosse Anzahl an Besucher überrascht. Auch hier machten wir einen ersten Halt im informativen Visitor Center. Wie schon Tuzigoot ist auch das Montezuma Castle der südlichen Sinagua Kultur zuzuordnen. Die Anlage bestand zum Einen aus einem äusserst eindrücklich erbauten Cliff Dwelling, welches erstaunlicherweise gut erhalten ist. Die fünfstöckige Anlage wurde während den Jahren 1’100 und 1’300 gebaut, laufend erweitert und unterhalten. Es liegt in einem Cliff etwa 30 Meter über dem Talboden und umfasst 20 Räume, welche von einer Handvoll Familien benutzt wurden. Die Anlage wurde über ein System aus Leitern vom Talboden aus erreicht. Bis Anfang der 1950er Jahre war die Besichtigung frei zugänglich. Um die Sicherheit und den Fortbestand des Montezuma Castles im ursprünglichen Zustand zu gewährleisten, wurde es für den öffentlichen Zugang gesperrt, sodass das Monument heute nur noch vom Talboden aus besichtigt werden kann. Schade, aber verständlich. Auch die Besichtung vom Talboden aus ist sehr eindrücklich und lohnenswert. Die ersten Europäischen Siedler, welche es wiederentdeckten gaben den irreführenden Namen Montezuma in Anlehnung an die Azteken. Eine Verbindung zwischen den Azteken und den Sinagua gab es jedoch zu keinem Zeitpunkt.

Auf dem schön angelegten Pfad erreicht man kurz darauf das Castle A. Es ist weitgehend zerfallen. Es konnte jedoch nachgewiesen werden, dass es ein 5 stöckiges Appartment ähnliches Gebäude mit 45 Räumen war. Es wurde nicht als Cliff Dwelling errichtet, sondern errinert mehr an die Bauten, welche wir im Bandelier National Monument gesehen hatten. Natürliche Öffnungen im Kalkstein (Limestone) wurden erweitert und als Räume der vorliegenden Bauten verwendet. Vor der Wohnungstür fliesst auch heute noch der Beaver Creek umgeben von fruchtbarem Ackerland.

Die Besuche waren wiederum äusserst interessant und lehrreich. Unsere nächste Station des aktiven Tages war die Old Town von Cottonwood. Ein hübsches Städtchen mittlerweile mit einem Walmart Supercenter und einem Home Depot Store ausgestattet. Die Main Street des alten Teils ist weitgehend schön erhalten. Zahlreiche Geschäfte können besucht und lokale Weine in verschiedenen Tastingrooms degustiert werden. Unsere volle Aufmerksamkeit schenkten wir einer Gelateria. Die Abkühlung war verdient und sehr willkommen. Dann ging es zurück auf den Campground im Dead Horse Ranch State Park, wo wir den Tag voller Freude auf die anstehende, historische Zugfahrt vom kommenden Tag ausklingen liessen.

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