Nach einem feinen und gesunden Frühstück im Freien und bei schönstem und warmen Wetter verliessen wir den Gallo Campground und machten uns mit dem Auto auf den Weg zum kleinen aber feinen Visitor Center des Chaco Culture National Historic Parks. Dieses liegt ungefähr zwei Kilometer vom Campground entfernt. Es bietet ein kostenloses WiFi an, was gut ist, denn im Umfeld von gefühlten 200 Kilometern gibt es absolut keinen Empfang. Nach einem kurzen Update der weltweiten News begaben wir uns ins Auditorium, um den Informationsfilm rund um die Geschichte und Kultur des Chaco Canyons anzuschauen. Leider konnten wir den Film nicht bis zum Ende schauen, denn pünktlich um 11:00 Uhr startete unter kundiger Leitung von Park Ranger Colin die Tour zum Una Vida Great House.
Dieser eindrucksvolle Komplex liegt unmittelbar beim Visitor Center und ist über den gut angelegten Weg schnell erreicht. Ein Grossteil der Anlage, welche aus zahlreichen Räumen und Kivas bestand, wurde bis heute bewusst nicht ausgegraben und rekonstruiert. Die Überreste liegen auf einer Anhöhe, von welcher man einen ausgezeichneten Blick in die Weite hat. Während der gut zweistündigen Tour lernten wir sehr viel über die Kultur und Lebensweise der Chacoans, so werden die Einwohner von damals heute respektvoll genannt. Man geht davon aus, dass für den Bau der grossen Häuser rund 250‘000 Ponderosa Pinien notwendig waren. Diese Bäume wurden in den rund 80 Kilometer entfernten höheren Lagen gefällt und dann in den Chaco Canyon transportiert.
Auch der Verlauf von Sonne und Mond spielte im Glauben und den dazugehörigen Zeremonien eine äusserst grosse Rolle. Auch wirtschaftlich blühte die Pueblo Kultur. Es wurde reger Handel betrieben. So wurden Muscheln aus dem Pazifik und andere Gegenstände aus Mittelamerika bei den Ausgrabungen gefunden.
Der Höhepunkt der Kultur im Chaco Canyon war zwischen den Jahren 850 und 1’150 unserer Zeitrechnung. Ab dem Jahr 1’150 wurden keine weiteren Anlagen gebaut und ungefähr um das Jahr 1250 wurden alle Siedlungen im Chaco Canyon aufgegeben. Man geht heute davon aus, dass die rund 2‘000 ansässigen Chacoans neue Gebiete im Süden erschlossen und somit als die Vorfahren der Pueblo Indianer New Mexicos und der Hopi Indianer in Arizona gelten.
Aufgrund von früheren Funden konnte nachgewiesen werden, dass bereits um das Jahr 900 vor Christus Jäger und Sammler im Gebiet des Chaco Canyons teilweise ansässig waren.
Nach dieser sehr lehrreichen ersten Una Vida Tour legten wir eine kurze Picknick Pause ein und fuhren dafür zum Parkplatz der grössten Siedlung, dem Pueblo Bonito. Hier startete um 14:00 Uhr die zweite Park Ranger Tour.
Die Pueblo Bonito Anlage gilt als die komplexeste und grösste aller Gebäudekomplexe im umfassenden Chaco Canyon. Die Anlage wurde zwischen den Jahren 850 bis 1’100 erbaut, verändert und erweitert. Auf mindestens vier Geschossen wurden über 600 Räume und 40 Kivas angelegt.
Auch diese Tour war sehr interessant. Im Anschluss daran führte unser Weg weiter zum Pueblo del Arroyo, was soviel wie Stadt beim Fluss bedeutet. Tatsächlich liegt in unmittelbarer Nähe ein Wash, welcher sich bei einem Sommer Monsun Gewitter zu einem reissenden Fluss mutiert.
Hier erkundeten wir die Anlage auf eigene Faust. Die Anlage wurde innert kurzer Zeit erbaut. Sie verfügt teilweise über eine Bautechnik, die in keinen anderen Pueblos im Chaco Canyon gefunden werden konnte.
Es war nun kurz nach 16:00 Uhr und die Zeit reichte gerade noch für einen kurzen Besuch im Visitor Center, um die Dokumentation noch fertig zu schauen. Dann liessen wir den aktiven und abwechslungsreichen Tag müde auf dem Campground ausklingen.
