Das Häxenseeli in den Glarner Alpen birgt wohl so manche Geheimnisse in sich

Schon einmal etwas vom Häxenseeli im schönen Glarnerland gehört ? Macht nichts, wir bis vor Kurzem auch nicht. In einer von uns abonnierten Wandergruppenseite auf Facebook wurden wir darauf aufmerksam und setzten diese Alpinwanderung hinauf zum Häxenseeli umgehend auf unsere Wanderliste, und heute war der ideale Tag für diese Wanderung.

Elm
Am Ausgangspunkt beim russischen Soldaten Denkmal beim Panzerschiessplatz Wichlen

Wir fuhren nach Elm und von dort weiter ins Tal bis zum Strassenende beim Panzerschiessplatz Wichlen, unserem Ausgangspunkt der heutigen Wanderung. Es herrschte Ruhe und von Panzern war weit und breit nichts zu sehen. Wir parkierten auf dem Instruktorenparkplatz direkt beim im Jahr 2012 eingeweihten Denkmal für einen einfachen russischen Soldaten. Das Denkmal erinnert an die Napoleonische Besatzung und die Kriegswirren in dieser Gegend und insbesondere an die Alpenüberquerung der russischen Streitmächte an dieser Stelle unter der Führung des russischen Generals Suworow. Wir machten uns für die etwas mehr als 900 Höhenmeter hinauf zum Häxenseeli bereit. Bei kühlen Temperaturen konnte es losgehen.

Häxenseeli
Militärische Sperrungen
Elm
Der Einstieg in die Glarner Alpenwelt

Bevor es richtig losgeht, sollte man unbedingt die Hinweise auf infolge militärischer Schiessübungen gesperrte Bereiche und Wanderwege lesen. Eine Informationstafel steht unmittelbar beim Parkplatz. Heute sollte zwar geschossen werden, das Gebiet unserer Wanderung war aber nicht davon betroffen.

Das heisst nicht, dass links und rechts des Wanderweges nicht geschossen wird. Es war offizielle Jagdsaison im Kanton Glarus und sicher waren zahlreiche Jäger auch in diesem Gebiet unterwegs.

Wir starteten auf einer Höhe von 1’291 Metern und gewannen schnell an Höhe. Der erste Abschnitt führt über eine Schotterstrasse hinauf zu einem Parkplatz, von wo man nur noch zu Fuss weiterkommt. Der eigentliche Einstieg in die Wanderwelt ist eigentlich hier oben, etwas weniger als einen Kilometer vom Parkplatz beim Panzerschiessplatz entfernt. Der gut markierte Wanderweg hinauf in Richtung Panixerpass führt zu Beginn entlang des wildromantischen Jetzbach und durch in dieser Jahreszeit auf dieser Höhe noch genutzten Alpweiden.

Häxenseeli
Der schöne Blick zum Oberen Jetzbachfall und die Alp Ober Stafel

Die wildromantische Bergwelt zog uns in ihren Bann. Wir befanden uns im Übergang von kargen Alpweiden zur rauhen Alpinwelt der Glarner Alpen. Aus der Ferne war der Obere Jetzbachfall sowie die Alp Ober Stafel zu sehen. Viel Wasser führte er allerdings nicht, was der Schönheit aber nichts anhaben konnte. Die Alp Ober Stafel liegt auf 1’671 Metern Höhe und war bereits im Winterschlaf. Kurz vor erreichen der Alp wird der Jetzbach noch etwas akrobatisch überquert. Die Alp war erreicht und die ersten knapp 400 Höhenmeter lagen bereits hinter uns.

Jetzbach
Die Überquerung des Jetzbach
Häxenseeli
Bei der Alp Ober Stafel

Die Alp liegt in einem Kessel etwas versetzt zur steil abfallenden Wand mit dem Oberen Jetzbachfall. Sie wird durch eine massiv gebaute Wand vor Lawinen geschützt. Zu unserer grossen Überraschung trafen wir noch einen Jäger, welcher in der Alp Hütte übernachtete. Wir führten ein interessantes und für uns lehrreiches Gespräch über die heimische Jagd und die Tücken rund um den Wolf, welcher auch in dieser Gegend seine Spuren hinterlässt. Danach ging es weiter an der Alphütte vorbei weiter hinauf in Richtung Häxenseeli

Häxenseeli
Inmitten der alpinen Bergwelt auf einer Höhe von 1'930 Metern unterwegs zum Häxenseeli

Schritt für Schritt ging es weiter bergauf, ohne dabei die zahlreichen Fotospots ausser Acht zu lassen. Die Lichtverhältnisse waren ideal. Wir hatten ja genügend Zeit eingeplant, um den einen oder anderen Halt einlegen zu können. Auf einer Höhe von über 2’000 Metern angelangt, sahen wir einige grösse Schneefelder vor uns liegen. Dies mussten überquert werden. Wie schon bei unseren letzten Wanderungen stiessen wir auch hier auf die letzten Schneereste des vergangenen, strengen Winters. Zum über uns liegenden Panixerpass schauend, konnten wir erahnen, wo das Häxenseeli liegt. Zu sehen war es allerdings noch nicht.

Häxenseeli
Sicheren Schrittes über das erste Schneefeld

Der Panixerpass bildete einst bis ins 20. Jahrhundert eine wichtige Handels- und Reiseverbindung von Glarus über Graubünden nach Italien. Er ist der tiefstgelegene aller Passübergänge zwischen Glarus und der Surselva. Ausgangsorte für diesen hochalpinen und bei ungünstigem Wetter beschwerlich zu begehenden Weg sind auf Bündner Seite die Dörfer Andiast und Pigniu. Die höheren Partien des alpinen Passweges führen zudem über weichen eozänen Tonschiefer und der Trail ist bei starkem Regenwetter oft mit Sturzschutt überdeckt; besonders vom Scheitel bis zur Alp Renasca. Der Fussweg ist zwar auf der Glarner Seite vom Glarner Sernftal bis zu Wallenbrugg nach Wichlen zur Jätzalp besser ausgebaut, aber steiler (Quelle: Wikipedia).

Häxenseeli
Blick in Richtung Panixerpass

Auf älteren Karten des 17. Jahrhunderts ist der Panixerpass nicht als bevorzugte alpine Passroute eingezeichnet. Er stand zudem oft in Konkurrenz zum benachbarten Segnespass, der als hochalpiner Fussweg Elm und Flims verbindet. Trotzdem ist der Panixerpass bekannt geworden durch die Überquerung von zahlreichen Personen, Reisenden und Handelsleuten, die eine schnelle und alternative Verbindung zwischen Glarus, den Bündner Pässen und Italien suchten.

Im Zweiten Koalitionskrieg überquerte die russische Armee unter General Suworow am 6. und 7. Oktober des Jahres 1799 den Panixerpass auf dem Rückzug aus dem Glarnerland nach Graubünden. Die geschwächte Armee erlitt infolge Schnee und Kälte grosse Verluste. Etwa 2’000 Soldaten, ebenso viele Lasttiere kamen ums Leben und alle 25 mitgeführten Geschütze gingen verloren. Eine Gedenktafel auf der Passhöhe erinnert an das Ereignis (Quelle: Wikipedia).

Unsere heutige Wanderung war sicher um einiges entspannter als die Überquerung unter General Suworow. Ein letztes Schneefeld und kurzer Anstieg und dann war die Stelle erreicht, von welcher wir das etwas unter uns auf einer Höhe von 2’216 Metern liegende Häxenseeli sehen konnten. Viel Wasser fasste es nicht, aber dennoch war es ein schöner Anblick. Wir wurden für die Mühen des Aufstiegs bestens belohnt. Was uns hier oben erwarten würde ? Mit der Namensgebung sind bestimmt einige Sagen verknüpft, und wer weiss, vielleicht sind ja die Gesänge der Hexe in der Dunkelheit der Nacht hier oben auch heute noch zu hören.

Nun war es auch allerhöchste Zeit, uns aus dem Rucksack zu verpflegen. Wie typische Wandermahlzeit bestand aus Glarner Rauchcervelats, Alpkäse, einem gekochten Ei und gesunden Urdinkel Darvida Crackern.

Panixerpass
Das zauberhafte Häxenseeli war erreicht
Häxenseeli
Eine wohlverdiente Rast
Häxenseeli
inmitten der alpinen Bergwelt

Wir genossen die Stille auf einer Höhe von 2’216 Metern. Wir waren weit und breit die einzigen Wanderer. In der Ferne konnten wir einen vom Panixerpass her kommenden Wanderer erkennen. Unser 5.4 Kilometer lange Aufstieg zum Häxenseeli dauerte knapp über drei Stunden. Hinter uns lagen stolze 917 Höhenmeter und genau diese ging es jetzt auch wieder bergab.

Damit wir für den anstrengenden Abstieg genügend Zeit hatten, beschlossen wir,  aufzubrechen. Für den Rückweg zum Panzerschiessplatz Wichlen gibt es keine Alternativen. Auf dem Weg hinunter hielten wir immer wieder Ausschau nach Wild. Ausser einem Murmeltier konnten wir aber keine alpinen Bewohner sehen. Sie sind auch gut beraten, sich während der Jagdzeit nicht zu zeigen.

Am späten Nachmittag sind wir dann wieder gut jedoch auch ziemlich erschöpft bei unserem VW Bus angekommen. Wir wechselten die Schuhe und machten uns mit vielen schönen Erinnerungen, tollen Erlebnissen  und zahlreichen schönen Fotos wieder auf den Heimweg.

EIGENSCHAFTEN

Ausdauer
5/5
Schwierigkeit
3.5/5
Alpin
4.5/5
Voralpen
1/5
Wald und Wiese
0/5
Szenerie
5/5
Dauer
5/5
Spassfaktor
4/5
Verpflegung
1/5
ÖV Anbindung
2/5

EINIGE ZAHLEN

DETAILLIERTE WANDERKARTE

GOOGLEMAPS KARTENANSICHT

PHOTO GALERIE

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