Mit der Palfries Seilbahn hoch hinaus

Beim Fischchnuschperli Essen in Quinten machten Lisbeth und Luis spontan den Vorschlag, mit der alt-ehrwürdigen Palfries Bahn der Hitze im Tal zu entfliehen und dies mit einer schönen Wanderung zu verbinden. Zudem wollten wir am Abend in Bad Ragaz noch die Licht Show in der Taminaschlucht besuchen. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen, zumal dies für uns Neuland bedeutete. Wir hatten vorher weder von der Palfries Bahn noch von der Bad Ragazer Licht Show gehört.

Palfries Bahn
Old School Billets

Wir fuhren mit dem Auto nach Ragnatsch bei Flums zur Talstation der Palfries Bahn. Unsere Plätze in der kleinen Gondel hatten wir schon vorher über das Internet reserviert. Die Palfries Bahn ist eine Gondelbahn zwischen der Siedlung Ragnatsch in Mels (473 Meter über Meer) und der Alpregion Palfries (1’721 Meter über Meer). Die Bahn meistert also stolze knappe 1’300 Höhenmeter. Die Bahn wurde 1941 als Militärseilbahn Z 402 im bedeutenden Festungsgebiet Sargans errichtet und war seit 1998 unbenutzt. Seit der Sommersaison 2016 ist sie für das Publikum geöffnet. Die Bahn wird von freiwilligen Pensionären betrieben und hat echten Kultstatus. Die kleinen Tickets sind aus Karton und werden fachmännisch und exakt mit einem Knipser gelocht. Erinnerungen an die alte SBB werden wach. Die Kasse, der Internetauftritt sowie das bargeldlose Bezahlen und jedoch neuzeitlich. Die Bahn fährt viertelstündlich mit zwei Gondeln zu je acht Plätzen. Naheliegende Wanderziele von der Bergstation sind der Gonzen und der Alvier. Weiter führt von der Bergstation ein nahezu ebener Weg zu einigen Ausflugsgaststätten. Genau eine dieser Gaststätten war auch unser erstes Tagesziel.

Palfries Seilbahn
Bitte einsteigen, es geht los !
Palfries Seilbahn
Es geht hoch hinaus

Allein schon die Bergfahrt über die Wasserfälle des Ragnatscherbaches, die steilen Felswände, Baumwipfel und Wiesen sind eine Fahrt mit der Seilbahn wert. Oben auf der Hochebene Palfries angekommen, wartet ein herrliches Panorama und ein grosses Netz von Spazier- und Wanderwegen auf Familien und Berggänger. Gut oben angekommen machten wir uns auf den Weg zum Bergrestaurant Stralrüfi, welches gemütlich in einer Stunde erreicht wird. Der Weg führt mehrheitlich der Strasse entlang mit einem grandiosen Blick auf die steilen Felswände des naheliegenden Bergmassivs. Blühende Alpenrosen, blauer und weisser (!) Enzian und andere farbenprächtige Blumen säumten den Weg.

Palfries Bahn
Was für ein tolles Panorama
Palfries Bahn
Blühende Alpenrosen

Wir nahmen es gemütlich und legten einige Fotostops ein. Die Temperatur war im Vergleich zum Tal sehr angenehm. Wir waren überrascht, dass die Alpenrosen schon blühten, was wohl mit den heissen Temperaturen der letzten Tage zu tun hatte. Durstig und hungrig erreichten wir das Bergrestaurant Stralrüfi. Und anstatt nur etwas zu trinken, entschieden wir uns, den mitgebrachten Proviant vorerst im Rucksack zu lassen und spontant etwas von der Karte zu bestellen. Wir wurden nicht enttäuscht. Der Thonsalat, Wurst-Käse-Salat sowie der heisse Schüblig waren sehr lecker. Die Bedienung freundlich rustikal. Nach der Rast und Stärkung waren wir nun für grössere Anstrenungen bereit. Wir entschieden uns für den Höhenweg, welcher direkt unterhalb des Gebirgmassivs verläuft. Zuerst gewinnt man etwas an Höhe und nähert sich den steilen Felswänden realtiv schnell. Hat man den Höhenunterschied von etwa 200 Metern bewältigt, wandert man gemütlich durch Wiesen und durch bizarre Felsgärten mit jeder Menge interessanten und fossilen Gesteinsformationen. Leider fehlen unterwegs ein paar wenige Hinweistafeln, damit der interessierte Wanderer mehr über Fauna und Geologie erfahren könnte. So liessen wir unserer Fantasie freien Lauf und definierten unsere eigenen Erklärungen zu Fossilien und Mineralien im Gestein.

Wanderweg
Gut markierter Wanderweg
Gesteinsformationen
Tolle Gesteinsformationen

Vor lauter geologischen Untersuchungen und Vermutungen vergassen wir etwas die Zeit und kämpften uns über Schneefelder, um die letzte Bergfahrt auf keinen Fall zu verpassen. Wir waren pünktlich an der Bergastation retour, hatten sogar noch etwas Zeit für ein kleines Picknick aus dem Rucksack und erfreuten uns daruafhin an der Fahrt hinunter zum Parkplatz.

Das war eine tolle Wanderung in einem für uns bis anhin noch völlig unbekannten Gebiet. Wir kommen sicherlich zurück und werden dann aber in einem der Bergrestaurants übernachten.

Unsere nächste Station hiess Bad Ragaz mit dem Besuch der Licht Show (Light Ragaz) in der Tamina Schlucht. Unterwegs machten wir an einem schattigen Plätzchen nochmals einen spontanen Halt. VW Bus sei Dank !

«Light Ragaz» findet vom 13. Juni bis 6. Oktober 2019 statt. Vom Zentrum in Bad Ragaz gibt es täglich bis zu vier Sonderfahrten mit den Postauto durch die engen Taminaschlucht zur Station des Alten Bad Pfäfers. Nur schon die Postautofahrt und der Besuch der alten Bäder ist ein geniales Erlebnis.

Bad Pfäfers
Altes Wannenbad
Taminaschlucht
Die Tamina

Zwischen Valens und dem Weiler Bonadivis gräbt sich das Wasser der Tamina bis zu 200 Meter in den Boden. Im Laufe der letzten 15’000 Jahre hat sich der kleine Fluss in den Fels gefressen, teils sogar ganz überdeckt durch eine natürliche Brücke zwischen Valens und Ragol. Die enge Felsspalte ist rund 750 Meter lang und 70 Meter tief. Beim Bad Pfäfers weitet sich die Schlucht so weit, dass für die letzten 4 Kilometern neben der Tamina auch ein einspuriges Strässchen Platz findet, welches Bad Ragaz mit dem alten Bad Pfäfers verbindet. Im hinteren Teil der Taminaschlucht befindet sich eine Thermalquelle, deren 36.6° warmes Wasser gefasst wird. Ab 1350 bis 1969 wurde es im Bad Pfäfers genutzt, seither zum einen in der Heilklinik Valens, zum anderen in den Thermalbädern von Bad Ragaz.

Das Wasser wird zur Behandlung von Kreislaufkrankeiten, Rheuma, Lähmungen und Unfallfolgen angewendet. Ab Bad Pfäfers ist ein Weg in die östliche Flanke gehauen, der im Sommerhalbjahr bis zur Quelle begangen werden kann. Früher erfolgte der Zugang von Pfäfers und Valens her über steile Bergpfade und Treppenanlagen. Teilweise wurden Kranke auch in die Schlucht hinunter abgeseilt.

Die Heilquelle in der Taminaschlucht wurde im Mittelalter entdeckt. Nach einer Sage soll sie 1038 von Karl von Hohenbalken, nach einer anderen 1242 von zwei Klosterknechten gefunden worden sein. Die ersten Badeeinrichtungen wurden 1242 unter Abt Hugo II. von Villingen eingerichtet. Mitte 14. Jahrhundert wurden Badehäuser gebaut, welche über der Tamina platziert waren. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1382. Im 16. Jahrhundert wurde das Bad berühmt durch die Anwesenheit Ulrich von Huttens und durch die Schrift des Paracelsus über das Bad von 1535. Im Jahr 1543 liess Abt Johann Jakob Russinger eine 250 Fuss lange Holztreppe an der Felswand in die Taminaschlucht erstellen. Im 17. Jahrhundert galt die Pfäferser Quelle als die «Königin aller Heilquellen».

Durch mehrfache Brände und Felsstürze wurden die ursprünglichen Badeeinrichtungen und die Quelle bis 1680 zerstört, durch das Kloster 1704–1718 aber wiederhergestellt. Von diesen Gebäuden sind Teile bis heute erhalten. In den Glanzzeiten beherbergte das Bad bis zu 500 Gäste.

Doch nun zurück in die Gegenwart zu «Light Ragaz». Die Veranstaltung setzt sich zum Ziel, die sagenumwobene Taminaschlucht mit der Heilquelle über verschiedene Lichteffekte näher zu bringen. Nach Besuch der alten Wannenbäder im alten Badehaus gelangt man durch den in den Stein gehauenen Tunnel ins Innere der Taminaschlucht. Unter einem rauscht das Wasser in gewaltigen Massen durch die Engen der Schlucht.

Taminaschlucht
Wilde Tamina und toll beleuchtete Felswände

Der Besucher geht über einen sicher angelegten Gallerieweg durch die Schlucht vorbei an Lichtspielen und interaktiven Informationsposten. Das Ganze ist wirklich gut gemacht.

Taminaschlucht
Ein in lila ausgeleuchteter Abschnitt der Taminaschlucht

Die Besichtigung dauert in etwa eine Stunde. Im Anschluss daran wartet der Chauffeur des Postautos für die Rückfahrt nach Bad Ragaz. «Light Ragaz» ist eine gelungene Veranstaltung. Man erlebt aktiv die Gewalt und Macht der Natur und lernt so nebenbei einiges über Geschichte und Mythen dieser zauberhaften Gegend. Trolle haben wir aber offenbar keine geweckt, und so sind wir wieder gut aber ziemlich erschöpft zuhause angekommen.

PHOTO GALERIE
«PALFRIES BAHN UND BESUCH VON LIGHT RAGAZ»

 

 

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