Von alten Kultstätten und einem mittelalterlichen Dorf

Der Campingplatz Camping Municipal de Kermaléro liegt für Tagesausflüge ideal gelegen. Deshalb wählten wir in als eine Art Stützpunkt für die kommenden Tage. Der Ausflug begann mit der Besichtigung der Meghalitanlage Allée couverte de Menez Korriged im Hafenstädtchen Pors Poulhan. Die Anlage hatte im Zweiten Weltkrieg unter Kriegseinwirkungen zu leiden und wurde daraufhin abgerissen. Durch Grabungen gelang es, das Monument anhand der Verkeilungen sowie alter Fotos und Skizzen zu restaurieren. Es ist eine 15 Meter lange Allée couverte (Galeriegrab) mit einer ganz selten erhaltenen, spitz zulaufenden Platteneinfassung, vergleichbar dem Bug eines Schiffs.

Allée couverte de Menez Korriged
Spitz zulaufende Platteneinfassung
Allée couverte de Menez Korriged
Innenansicht

Von diesem Galeriegrab führt ein Spazierweg hinunter an die Küste und von dort aus folgt man dem Küstenweg zur neolithischen Anlage Nekropole Pointe de Souc’h, die auch unter dem Namen Menez Dregan bekannt ist. Eine Nekropole ist eine baulich gestaltete grössere Begräbnis- und Weihestätte des Altertums und der Ur- und Frühgeschichte. Etwa 100 Meter oberhalb der Grotte Menez Dregan, die Funde aus der Altsteinzeit enthielt, liegen die sieben Dolmen von Souc’h. An ihnen kann man eine architektonische Entwicklung im Bau von Grabanlagen dokumentieren. Die Nekropole besitzt vier ausgegrabene Anlagen. Weitere Ausgrabungen sind geplant, aber die restlichen Anlagen sind nicht gut erhalten. Dolmen ist in Frankreich der Oberbegriff für neolithische Megalithanlagen aller Art.

Nekropole Pointe de Souc’h
Menez Dregan

Erste Grabungen wurden 1870 und 1871 von A. Grenot, einem Lehrer aus Quimper, unternommen. Gefunden wurde unter anderem ein kugelförmiges Gefäss, das heute als «Vase du Souc’h» bezeichnet wird. Auch aus dem Mittelalter wurde Töpferware gefunden, die sich fettig anfühlt und «Poterie onctueuse» genannt wird. Sie stammt aus der Nähe und ist wahrscheinlich in Plonéour-Lanvern (Finistère) hergestellt worden.

Nekropole Pointe de Souc’h
Menez Dregan

Die jüngste Grabungskampagne begann im Jahr 2000 unter der Leitung von Michel Le Goffic und dauerte sieben Jahre. Ausgrabungen und Restaurierungen gestatteten es, den Grundriss eines der Cairns mit einer nahezu quadratischen Kammer (3,8 Meter × 3,6 Meter) und einem seitlich auftreffenden geraden Gang wiederherzustellen. Es handelt sich um ein «Ganggrab» (französisch Dolmen à couloir) in Form eines „P“. Eine andere Anlage ist vom gleichen Typ, aber grösser (6,2 Meter × 4,8 Meter) und mit einem Gang von 3,75 Metern Länge ausgestattet. Die Grabungen haben einige Funde und eine Grabstätte, die im 19. Jahrhundert übersehen wurde, zu Tage gebracht. Der Tumulus entstand in sechs Bauphasen bei denen sechs Kammern entstanden wobei die älteste überbaut wurde.

Nach diesem äusserst interessanten Abstecher in die jahrtausende alte Geschichte der Bretagne machten wir einen Zeitsprung vorwärts ins Mittelalter. Wir besuchten die Stadt Locronan. Diese liegt etwas im Landesinneren, liegt auf einem Hügel rund 17 Kilometer von Quimper entfernt und zählt rund 800 Einwohner. Locronan ist als eines der schönsten Dörfer Frankreichs klassifiziert. Es fehlt in keinen Reiseführern und entsprechend gross ist der Besucherandrang. Dies vor allem in den Hauptreisezeiten. Wir hatten Glück und konnten das Örtchen in Ruhe besichtigen. Wie immer ist auch das Parkieren perfekt gelöst. Das Städtchen ist zum Glück autofrei und parkiert wird auf grossen Parkplätzen etwas ausserhalb aber immer noch in Gehdistanz zum Dorfkern.

Locronan
Place de l’Église mit Dorfbrunnen

Der Name Locronan leitet sich vom heiligen Ronan ab, einem aus Irland stammenden Mönch, der in Locronan begraben liegt. Loc ist dabei ein bretonisches Wort für eine Einsiedelei. St. Ronan soll die Einwohner von Locronan das Weben gelehrt haben. Tatsächlich beruhte der Wohlstand von Locronan im Mittelalter auf der Herstellung hochwertigen Segeltuches. Das Erscheinungsbild des Dorfes ist noch komplett mittelalterlich und sehr sehenswert. Zahlreiche Mittelalter Filme wurden hier schon gedreht.

Locronan
Hübsche Geschäfte und gepflegtes Erscheinungsbild
Locronan
Kaffeepause – Der Kouign Amann ist schon weg

Es gibt zahlreiche hübsche Geschäfte und Kaffees. Für einen Besuch sollte man genügend Zeit einplanen und sich auch einen Kaffee sowie einen Kouign Amann gönnen. Der Abstecher nach Locronan hat uns sehr gut gefallen. Man konnte sich aber auch gut vorstellen, wie es hier in der Hochsaison zu- und hergeht. Auch sehr sehenswert ist die alte Kirche Église Saint Ronan de Locronan im Zentrum der Altstadt (Bild links). Die Preise in den Geschäften sind absolut im Rahmen, was ich aber erst im Nachhinein feststellen konnte. Ich war auf der Suche nach einem Lambig und wurde in einem der Geschäfte auch fündig. Es gab ihn in zwei Ausführungen. Einen älteren, bernsteinfarben und in Fässern gelagert zum Preis von etwa 40 Euro. Einen etwas günstigeren und weniger alten zum Preis von etwas über 20 Euro. Leider habe ich keinen gekauft. Während den ganzen Ferien habe ich noch weitergesucht, aber keinen alten mehr finden können. Am vorletzten Tag in Redon fand ich dann denselben, weniger alten Lambig, für ein paar Euro mehr. Da hätte ich spontaner sein sollen. So ist der Kauf halt auf den nächsten Besuch verschoben.

Nach diesem tollen Abstecher ins Landesinnere ging es nun wieder zurück an die Küste. Genauer gesagt an den Pointe de Brézellec im Norden der Halbinsel Cap Sizun. Ein wirklich schöner Aussichtspunkt mit Blick hinunter auf die schroffen Klippen. Wir standen inmitten der weiten und farbenprächtigen Blumenfelder. Das Meer war tiefblau gefärbt. Es gibt hier einen Wohnmobil Stellplatz für ungefähr 10 Fahrzeuge. Anschlüsse und sanitäre Anlagen sind jedoch nicht vorhanden.

Pointe de Brézellec
Blumen- und Farbenpracht beim Pointe de Brézellec
Les Moulins de Trouguer
Les Moulins de Trouguer

Auf unserem Weg zum Pointe du Raz machten wir in der Nähe von Trouguer noch kurz Halt bei den Les Moulins de Trouguer. Dabei handelt sich sich um zwei Windmühlen aus dem 16. Jahrhundert. Eine ist aus Holz gebaut und die andere aus Granit. Diese beiden Mühlen sind die einzigen von ungefähr 15, welche früher hier ihre Arbeit verrichteten. Beide Mühlen waren noch bis in die 1950er Jahre in Betrieb, wurden dann aber aufgegeben. Die Gemeinde hat daraufhin beide erworben und restauriert. Die Mühlen werden für lokale Feste wieder in Betrieb genommen. Sie liegen auf einem Feld direkt an der Haupstrasse. Als wir dort waren, wurde eine Besichtigung durchgeführt und die Besuchergruppe konnte die Mühlen von Innen besichtigen.

Bevor wir wieder zu unserem Campingplatz fuhren, statteten wir der Pointe du Raz noch einen Besuch ab. Die Pointe du Raz (bretonisch Beg ar Raz) ist ein felsiges Kap, das den Abschluss der Halbinsel Cap Sizun bildet und sich im Westen der Gemeinde Plogoff im Département Finistère in der Bretagne befindet. Die schroffe Klippe, die mit einer Höhendifferenz von 72 Metern ins Meer hinausragt, ist eine der charakteristischsten Punkte der bretonischen Küste. Sie ist ein touristischer Anziehungspunkt von grosser internationaler Bekanntheit. Die allzu starke Frequentierung durch Touristen hat strenge Umweltschutzmassnahmen erfordert, um den hauptsächlich aus Heide bestehenden Bewuchs wiederherzustellen.

Pointe du Raz
Heidelandschaft und Klippen beim Pointe du Raz

Acht Kilometer westlich befindet sich die Île de Sein, die durch eine von gewaltigen Strömungen durchquerte Meerenge von der Pointe du Raz getrennt ist. Das Wort «raz» bezeichnet im Bretonischen eine besonders starke Meeresströmung. Das Wort ist ursprünglich ein Wikingerwort, das bei der Invasion in der Normandie nach Frankreich gekommen ist. Er hat denselben Ursprung wie das deutsche Wort «rasen». Zwei heute unbewohnte Leuchttürme befinden sich auf zwei Inselchen, der Phare de la Vieille und der Phare de Tévennec. Um den Pointe du Raz ranken sich zahlreiche Legenden.

Pointe du Raz
Pointe du Raz mit den vorgelagerten Leuchttürmen (Quelle: Finistère Tourismus)

Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit und der Tatsache, dass wir morgen einen Tagesausflug zur Île de Sein unternehmen werden, liess uns entscheiden, dass wir nicht bis ganz nach vorne ans Kap spazierten. Wir werden das beim nächsten Besuch aber sicher nachholen, denn das Bild oben (Quelle: Finistère Tourismus) sieht zu vielsprechend aus, um das nicht gesehen zu haben.

So, das war es für den heutigen Tag, den wir gemütlich auf dem Campingplatz Camping Municipal de Kermaléro ausklingen liessen. Dank der freien Platzwahl wählten wir einen Stellplatz weiter vorne mit Blick auf den Sonnenuntergang.

Camping Municipal de Kermaléro
Gute Nacht !

Und hier noch ein paar Schnappschüsse des heutigen Tages, für alle, die noch nicht genug gesehen haben.

Photo Galerie
«Von alten Kultstätten und einem mittelalterlichen Dorf»

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