Wie isst man eigentlich Langustines ?

Der heutige Sonntag Morgen war eher herbstlich. Auf dem Campingplatz La Plage de Goulien machte sich Nebel breit und alles war ziemlich feucht. Der Platz verfügt über moderne und saubere sanitäre Anlagen und ist vor allem bei Surfern und Kanu Fahrern beliebt. Die Stellplätze liegen grossteils unter Bäumen. Im Sommer ist man sicher froh um den Schatten.

Camping Plage de Goulien
Früher Morgennebel
Camping Plage de Goulien
Spielplatz

Wir machten uns auf den Weg, eine weiteres, mehrere tausend Jahre altes Monument zu besichtigen. Es handelt sich dabei um die Alignements de Lagatjar (Steinreihen von Lagatjar). Diese liegen in der Nähe des Campingplatzes auf der Halbinsel Crozon. Sie sollen ursprünglich aus bis zu 400 Steinen bestanden haben, so dass die Gesamtlänge des Hauptbauwerkes früher 600 Meter erreichte. Viele der umgestürzten Steine aus weissem Quarzit wurden im Jahr 1928 wieder aufgerichtet, so dass die Reihen heute aus 72 Menhiren bestehen.

Alignements de Lagatjar

Alignements de Lagatjar

Alignements de Lagatjar
Alignements de Lagatjar

Die Menhire werden auf ein Alter von 4’500 Jahren geschätzt. Die längste Reihe besteht aus 42 Steinen und ist heute etwa 200 Meter lang.

An ihrem nordöstlichen Ende beginnt eine Reihe aus 13 Blöcken, und im Südwesten liegt die dritte Reihe aus 17 grossen Menhiren. Dies zeigt, dass es hier Steinreihen gab, die in ihrer Grösse denjenigen von Carnac entsprechen. Die Steinreihen sind sehr gut zugänglich und können frei besichtigt werden. Ein Parkplatz liegt in unmittelbarer Nähe. An diesem Sonntag hielt sich der Besucherandrang in Grenzen. Gegenüber liegt noch der Air Camping Car Lagatjar. Was an diesem mystischen Ort wohl bei Nacht zu hören ist ? Ebenfalls in Sicht- und Gehweite liegt das zerstörte Herrschaftshaus des französischen Dichters Saint-Pol-Roux. Er wurde im Jahr 1861 in Marseille geboren. Im jungen Alter von 21 Jahren zog er nach Paris. Später liess er sich hier auf seinem Anwesen (Manoir de Coecilian) nieder. Doch leider endet hier die Geschichte sehr tragisch.

In der Nacht zum 24. Juni 1940 überfiel ein Soldat der deutschen Wehrmacht sein Haus, tötete seine Haushälterin und verging sich an seiner Tochter Divine. Am 3. Oktober wurde sein Manoir geplündert und viele Manuskripte zerstört. Am 18. Oktober 1940 starb Saint-Pol-Roux in Brest. 1944 wurde sein Manoir de Coecilian (nach dem Tode seines Sohnes benannte er das Manoir de Boultous nach ihm) von den Alliierten bombardiert und zerstört. Ein Grossteil seiner Manuskripte bleibt bis heute verschollen.

Le manoir de Coecilian
Die Ruinen des Manoir de Coecilian
Le manoir de Coecilian
Le manoir de Coecilian vor der Zerstörung (Quelle: Internet)

Im Nord-Westen des Manoir de Coecilian liegt an wunderbarer Lage der Pointe du Toulinguet. Leider ist dies militärisches Sperrgebiet, weshalb wir uns auf eine Sicht aus der Distanz beschränkten. Unter uns lag die malerische Bucht Anse de Pen Hat. Im Hintergrund ist das Sémaphore sowie der Leuchtturm zu erkennen.

Pointe du Toulinguet
Pointe du Toulinguet mit Blick auf die Bucht Anse de Pen Hat

Heute war nicht nur Sonntag sondern auch ein ganz besonderer Tag. Wir durften unsern 35. Hochzeitstag feiern und suchten uns dafür ein schönes Restaurant im Städtchen Douarnenez. Dieses liegt im Westen der historischen Region Cornouaille und zählt etwas über 14’000 Einwohner. Aufgrund seiner sturmgeschützten Lage diente der Ort bereits den Römern als Hafen vor der schwierigen Passage nach Britannien. Darüber hinaus wurde hier auch «Garum» hergestellt, eine Fischsauce, die im gesamten römischen Reich für das Würzen von Speisen genutzt wurde.

Douarnenez
Die Hafenpromenade
Douarnenez
Port du Rosmeur – Treffpunkt und Spielplatz

Über die Jahrhunderte entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Fischereihafen. Fast alle Männer und Jungen fuhren in Einmast Booten zum Fischfang. Die durchschnittliche Mannschaft bestand aus drei Mann. Es gab mehrere Hundert Boote, die zugleich in See stachen und ihre zumeist mit Lohe rotbraun gefärbten Segel hissten. Die Mannschaften blieben unter Umständen, je nach Fangmöglichkeit, mehrere Tage auf See und lebten dann von einem Stück Brot, mitgenommenem Wasser und Beifang, der auf einem kleinen Kocher im Boot gegart wurde. Bei Sonne, Wind oder Regen schützte sie lediglich Segeltuch Kleidung, Hose und weites Oberteil, die zum Teil wie die Segel selbst mittels Baumharz wasserdicht gemacht worden waren. Nicht alle hatten Holzschuhe, viele waren barfuss. Die traditionellen in den Fabriken vermarkteten Fische waren Thunfisch und Sardine. Der Fischfang wurde durch kärgliche Landwirtschaft (Kohl, Kartoffeln und Getreide) auf sehr kleinen Parzellen ergänzt.

Und genau zu dieser traditionsreichen Fischerei Geschichte passte unser Essen. Wir wurdem im Restaurant Le Bord Eau regelrecht verwöhnt. Wir bestellten und lernten Kir Breton kennen und schätzen, genossen die leckere Fischsuppe, Lachs, versuchten Langustines zu essen. Das Trio an Fisch sowie der Lachs waren köstlich. Abgerundet wurde das Festmahl mit einer Crème brûlée und Apfel Sorbet mit mehr Lambig de Bretagne als Eis. Die Langustiness waren fangfrisch und lecker. Nur einfach zu essen sind sie nicht. Ich konnte am Nebentisch unauffällig beobachten, wie sie geknackt werden müssen, um an das Fleisch zu gelangen. Was bei der Bretonin so einfach aussah, erwies sich bei mir als eher mühsam. Egal, jetzt weiss ich wie es geht. Geschmeckt hat es allemal. Mit dem bretonischen Ehepaar kamen wir – nachdem wir uns als Schweizer zu erkennen gaben – gut ins Gespräch, und wir haben noch zahlreiche Ratschläge für die kommenden Tage erhalten.

Restaurant Le Bord eau in Douarnenez
Kir Breton zum Apéro
Restaurant Le Bord eau in Douarnenez
Hauptgänge
Restaurant Le Bord Eau in Duarnenez
Desserts

Zu Wohlstand kam Douarnenez im 19. Jahrhundert, als die Erfindung der Konservendose den Verkauf von Fisch in entfernte Regionen erlaubte. Die wichtigste Rolle spielte hierbei die Sardine, auf deren Konserven es ein französisches Monopol gab. Bis zur Mitte des Jahrhunderts hatten sich in der Stadt 40 Fischfabriken angesiedelt, in denen hauptsächlich Frauen und Mädchen Arbeit fanden. Als um 1880 plötzlich die Sardinenschwärme ausblieben, führte dies zu einer Depression mit Armut und Massenarbeitslosigkeit. Die weibliche Bevölkerung versuchte, mit Klöppel- und Häkelarbeiten, die als Auftragsarbeiten von Fabriken vergeben wurden, den Lebensunterhalt zu verdienen. Andere verstärkten die handwerkliche Herstellung von Jod-Blöcken aus Algen (in gut ausgedachten Öfen, die heute noch an der Küstenlinie vorhanden sind), die dann an pharmazeutische Fabriken verkauft wurden. Mit neuen Fischereitechniken, grösseren Booten und dank des Umstandes, dass nach 20 Jahren die Sardinenschwärme wieder die Küste aufsuchten, konnte sich die Fischereiindustrie erholen. Heute ist Douarnenez auf Platz sechs der wichtigsten Fischereihäfen Frankreichs. Eine der alten Fischkonservenfabriken ist noch immer in Betrieb.

Wir verliessen nun das hübsche Städtchen Douarnenez, welches mehrere Häfen besitzt. Beim Port Rhu musste ich dann noch unbedingt ein altes Leuchtturmschiff fotografieren, welches hier vor Anker liegt. Im Hafen soll sich auch ein Schiffsfriedhof befinden. Den hatten wir allerdings nicht ausfindig machen können.

Hafen Port Rhu in Douarnenez
Das alte Leuchtturmschiff im Port Rhu in Douarnenez

Auf unserem Weg zum Campingplatz machten wir noch kurz einen Foto Halt bei der Chapelle Saint-Tugen im gleichnamigen Städtchen. Die Kapelle wurde im 16. Jahrhundert um 1535 erbaut und ist bekannt für die zahlreichen und wohl auch ungewöhnlichen Skulpturen.

Chapelle Saint-Tugen
Skulpturen vor der Chapelle Saint-Tugen

Unser Campingplatz, Camping Municipal de Kermaléro, für die nächsten drei Nächte lag in unmittelbarer Nähe der Chapelle Saint-Tugen auf der Halbinsel Cap Sizun. Der Campingplatz zählt zu den besten unserer Bretagne Reise. Er ist äusserst gepflegt und verfügt über grosse und saubere sanitäre Anlagen. Die Stellplätze sind durch Hecken abgetrennt, und der Empfang freundlich und hilfsbereit. Für heute liessen wir es genug sein. Wir suchten einen schönen Stellplatz, richteten uns ein und liessen den Tag ausklingen.

Camping Municipal de Kermaléro
Feierabend

Nachfolgend noch ein paar zusätzliche schöne Schnappschüsse des heutigen Tages. So kann es weitergehen. Ideen für die nächsten Tage waren genügend vorhanden und auch das Wetter sollte sich von der besten Seite zeigen.

Photo Galerie
«Wie isst man eigentlicht Langustines ?»

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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