Auf den Spuren Französischer Trapper, wilden Indianern und gefürchteten Outlaws

Als wir gestern am frühen Abend kurz vor Walla Walla ein Historic Site Hinweisschild bemerkten, haben wir uns vorgenommen, diese Stelle heute Morgen zu besichtigen. Es handelt sich dabei um die Frenchtown Historic Site. Diese liegt unmittelbar beim Highway 12 oder genauer gesagt am Old Highway 12, welcher teilweise parallel zur neuen Strasse liegt.

Frenchtown Historic Site bei Walla Walla

Nach der Niederlage Frankreichs im Französisch – Indianischen Krieg musste dieses im Pariser Frieden von 1763 Kanada an die Briten abtreten und konnte somit die französischen Siedler sowie deren indianische Verbündete und die Métis Gemeinden nicht mehr schützen. Daher zogen viele französischstämmige Métis sowie französische Händler, Trapper und Siedler weiter nach Westen in die Rocky Mountains sowie nach Nordwesten in die Wälder bis hin zum Gebiet des heutigen Walla Walla. Métis nennt man die Nachfahren aus Ehen zwischen Franzosen und der indianischen Bevölkerung. Sie gründeten an dieser Stelle eine Siedlung, welche aus weit verstreuten Cabins und der Saint Rose Mission bestand.

Frenchtown bei Walla Walla
Siedlungsbild von Frenchtown aus dem Jahr 1872 nach den Erinnerungen von Thomas Bergevin (1866 – 1958) dargestellt

Von der Siedlung, der Mission und vom Frenchtown Friedhof hat sich leider nichts erhalten können. Einzig die Prince’s Cabin wurde restauriert und an ihren heutigen Ort bei der Frenchtown Historic Site versetzt. Es gilt als ziemlich sicher, dass diese Cabin von einem hohen indianischen Mitglied, genannt «The Prince» des Stammes der Cayuse, bewohnt wurde. Sein indianischer Name wurde leider nicht überliefert. Aufgrund der angewendeten Bautechnik ist nachgewiesen, dass die Prince’s Cabin um das Jahr 1840 von Franzosen erbaut wurde. Die Cabin war ein Geschenk des ranghohen französischen Pelzhändlers Pierre Chrysologue Pambrun an «The Prince», um einen bestehenden Handelskonflikt zwischen den Franzosen und den Indianern erfolgreich zu schlichten. Eine sicherliche bessere Lösung, als alle Indianer abzuschlachten, so wie dies die nachfolgenden, europäischen Einwanderer sowie das US Militär vollzogen.

St. Rose Mission
Saint Rose Mission (Photo um 1900 by Augustine Bergevin)

Es ist einzig überliefert, dass «The Prince» ein jüngerer Bruder von Hiyumtipin war. Dieser fand den leblosen Körper der Missionsehefrau Alice Clarissa Whitman im Walla Walla River im Jahr 1839. Der ursprüngliche Standort der Cabin ist nicht bekannt. Offenbar wurde sie im Laufe der letzten 160 Jahre mehrmals versetzt.

So, nun aber genug Geschichte. Weiter ging es westwärts zum Columbia River und dem Lake Wallula. Der Highway führt schön entlang des Flusses zur Kreuzung mit der Interstate 82 bei Power City und Umatilla.

Columbia River
Der Highway 730 führt entlang des Columbia Rivers über die Grenze nach Oregon

Noch im Bundesstaat Washingtont liegen die Twin Sisters. Dies sind zwei sehr eindrückliche Basalt Felsformationen, vulkanischen Ursprungs, welche hoch über dem Columbia River thronen. Ein kurzer Wanderweg führt um die beiden Kuppen. Darauf haben wir verzichtet. Schon der Anblick vom Parkplatz und Aussichtspunkt war für uns eindrücklich genug. Die Informationstafel sollte aber unbedingt gelesen werden. Darauf steht beschrieben, welche Bedeutung die Cayuse Indianer der Felsformation zukommen lassen. Gemäss der geschilderten Überlieferung handelt es sich dabei um Cayuse Zwillingsschwestern, welche von einem Koyoten zu Stein erstarrt wurden.

Twin Sisters
Die beiden versteinerten Cayuse Zwillingsschwestern

Wir entschieden uns, nicht bis nach Umatilla zu fahren, sondern lieber den wenig frequentierten Highway 37 nach Pendleton zu benutzen, um dort dann erst auf die Interstate 84 aufzufahren. Der Highway wird auch Pendleton Cold Springs Highway genannt. Wir erhofften uns, im Hinterland von Oregon noch weitere schöne Eindrücke sammeln zu können. Das haben wir auch. Die kurvige Strasse führte uns auf und ab durch – so war zumindestens unser Eindruck – mehrheitlich verlassenes Farmland. Die ganze Gegend, und das gilt insbesondere für Pendleton, hat wohl schon viel bessere Zeiten gesehen. Ob der unkluge Handelskrieg des aktuellen Präsidenten hier schon Bauernopfer gefordert hat, fragten wir uns.

Im letzten Abschnitt vor Pendleton führt der Highway 37 schnurgerade zum weit im Hintergrund liegenden Horizont. Nicht mal der Ansatz einer Kurve macht sich bemerkbar. Allerdings geht es immer etwas hinauf und dann wieder hinab. Ein kreuzendes Auto ist schon eine Seltenheit. Links und rechts der Hauptstrasse verzweigen nicht asphaltierte Nebenstrassen zu teilweise weit in der Ferne sichtbaren Farmgebäuden.

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Auf dem Highway 37 in Richtung Pendleton
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Wohin es hier wohl geht ?
Highway 37
Standort der obigen Bilder aus der Vogel Perspektive (Quelle: Google Maps)

In Pendleton verzweigten wir auf die Interstate 84 und spuhlten einige Meilen süd-ostwärts in Richtung Twin Falls im Bundesstaat Idaho ab. Da gibt es nicht soviel darüber zu berichten. Solche Streckenabschnitte gehören einfach dazu, ansonsten sind die riesigen Distanzen nicht zu bewältigen. Ungefähr eine Autostunde vor Twin Falls wurden wir auf einen Idaho State Park aufmerksam, welcher direkt am Highway liegt. Es handelt sich um den Malad Gorge State Park.

Hauptattraktion dieses State Parks ist die vom Malad River geformte Malad Schlucht. Der Malad River führt durch den State Park und stürzt über eine Art Treppe in die Tiefe. Die Malad Gorge ist 76 Meter tief und vier Kilometer lang.

Der Französische Name Malad steht für Krank. Französische Trapper, welche die Gegend auskundschafteten, gaben ihm diesen Namen als sie – wie sie annahmen – von verzehrten, selbst erlegten Bibern erkrankten. Eine Informationstafel beim Parkeingang überliefert eine interessante Geschichte aus dem Jahr 1880 als drei entflohene Strafgefange des Gefängnisses in Boise in der Malad Gorge Unterschlupf fanden. Zwei von ihnen sassen wegen Überfall auf eine Brief-Postkutsche eine lebenslängliche Strafe ab und der Dritte eine zehnjährige für eine Tötungsdelikt. Offenbar war die Post früher mehr wert als ein Menschenleben. Nach einigen Tagen konnten die Fliehenden gestellt und dingfest gemacht werden, als sie Nachts nach oben kletterten, um Nahrung zu suchen. Diese gab es unten in der Schlucht offenbar nicht.

Unser Weg führte nun weiter zum Hampton Inn in Twin Falls, wo unser Zimmer auf uns wartete. Wir buchen immer gleichtags von unterwegs über die Apps und checken sogar online ein und laden den digitalen Zimmerschlüssel aufs Handy, was beim Hampton Inn meistens möglich ist. Das ist bequem und absolut flexibel. So verliert man am Abend nach einer langen Reise keine Zeit für die Zimmersuche.

Hunger, Hunger und nochmals Hunger und grosser Durst machten sich langsam aber sicher bemerkbar.  Also nichts wie los zum Mexikaner. Den fanden wir im Restaurant La Fiesta in Twin Falls. Absolut Spitze und riesige Portionen, sodass wir zwei Boxes benötigten, um die Resten am kommenden Tag zu verzehren.

 

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