Eine winterliche Entdeckungsreise quer durch Oregon

Nach einer erholsamen Nacht im Quality Inn & Suites in Boise machten wir uns nach dem Frühstück wieder auf den Weg. Im Motel übernachtete eine Gruppe Jugendlicher eines lokalen Sportvereins. Sie waren mit einem Schulbus unterwegs, und es war interessant, ihnen zuzuschauen. Wir wussten, dass wir heute bis in die Region um Portland in Oregon gelangen wollten. Wir hatten uns aber noch nicht entschieden, welchen Weg wir einschlagen würden.

Wir fuhren zuerst auf der Interstate 84 in Richtung Norden über die Grenze nach Ontario im Bundesstaat Oregon. Am Strassenrand wurden wir auf ein grosses Hinweisschild aufmerksam. Es wies auf den Highway 26 hin. Dieser wird als Scenic Oregon Byway, also eine landschaftlich besonders schöne Nebenstrasse, beschrieben. Wir haben uns also spontan entschieden, diesem Ratschlag zu folgen und sind auf den Highway 26 abgebogen. Dieser führt diagonal durch Oregon durch Landschaften, welche weit abseits der stark frequentierten Interstates liegen. Obwohl kilometer- wie auch zeitmässig wesentlich länger haben wir unseren Entscheid nicht bereut. Es wäre ein Fehler gewesen, die Meilen einfach auf der Interstate 84 abzufahren.

Der Highway 26 (auch U.S. Route 26 oder US 26) ist ein 2’390 km langer in Ost-West-Richtung verlaufender Highway im Nordwesten der USA. Er wurde 1926 eröffnet und gehört zu dem United States Numbered Highway System. Der Highway beginnt an der Interstate 80 bei der Kleinstadt Ogallala in Nebraska, führt durch die Bundesstaaten Wyoming und Idaho und endet an der Westküste der Vereinigten Staaten am U.S. Highway 101 südlich der Küstenstadt Seaside in Oregon. Zu den historischen Routen, denen der US 26 streckenweise folgt, zählen Oregon Trail, Mormon Trail und California Trail.

Einen ersten kurzen Halt legten wir bei einem beschilderten Viewpoint kurz nach Ontario ein. Einige Hinweistafeln bieten gute Hintergrundinformationen zum Oregon Trail, welchem die Europäischen Einwanderer in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts folgten, sowie zum in der Ferne liegenden Malheur Butte. Dies ist ein seit langer Zeit erloschener Vulkan.

Malheur Butte in Oregon
Im Hintergrund ist der Malheur Butte gut zu erkennen

An diesem Punkt konnten wir uns noch nicht vorstellen, welch winterliche Verhältnisse auf den kommenden Wegabschnitten auf uns warten sollten ! Aber nicht nur Schnee, sondern auch tolle Landschaften, verlassene Siedlungen und tolle Autowracks begleiteten uns während den nächsten mehreren hundert Kilometern. Nach dem Malheur Butte erreichten wir Vale. Hier war die erste Station des Oregon Trails nach dem Eintreffen in Oregon.

Vale in Oregon
Die öffentliche Wäscherei von Vale

Während der historische Trail jedoch von hier aus nach Norden zurück zum Snake River führte und diesen erst bei Huntington endgültig verliess, um durch die Blue Mountains zum Columbia River zu gelangen, verläuft der Highway 26 von Vale aus nach Nordwesten. Er überquert das südliche Ende der Blue Mountains im Bereich des Malheur National Forest auf einer Passstrasse, die bis zu einer Höhe von 1’545 Metern ansteigt.

Malheur National Forest
Im Malheur National Forest

Er führt dann in das Tal des John Day River hinab, den er bei Prairie City erreicht. Er folgt dem Fluss bis in die Picture Gorge einer Felschlucht mit indianischen Felsbildern im John Day Fossil Beds National Monument. Dort verlässt er den Fluss über ein Seitental und führt durch den gebirgigen Ochoco National Forest Richtung Westen nach Prineville und von dort aus in Nord-West-Richtung nach Madras.

Mitchell in Oregon
Die «dreiviertel verlassene» Stadt Mitchell kurz vor Erreichen des Ochoco National Forests
Picture Gorge
Picture Gorge

Von Madras aus verläuft der US 26 weiter nach Nordwesten über Warm Springs und weiter durch die Warm Springs Reservation und den Mount Hood National Forest auf den Mount Hood zu. An dessen Südflanke erreicht er die historische Barlow Road, die seit 1846 den Siedlern einen Landweg über die Kaskadenkette nach Westen bot. Diese Strasse war auch von Planwagen befahrbar, während der Weg durch die Columbia River Gorge nur zu Fuss oder Pferd möglich war und vor dem Bau der Strasse eine Flossfahrt auf dem Columbia River für Planwagen die einzige Möglichkeit bot, in das Willamette Valley zu gelangen.

Mount Hood
Der Mount Hood im Abendlicht

Der Stratovulkan Mount Hood liegt etwa 70 km östlich von Portland. Mit 3’425 Metern ist er der höchste Berg in Oregon und der vierthöchste der Kaskadenkette. Die Indianer nannten ihn «Wy’east». Als erster Europäer beschrieb ihn William Robert Broughton, ein Mitglied von George Vancouvers Expedition. Benannt ist der Berg nach dem britischen Admiral Lord Samuel Hood. An der Südflanke des Mount Hood steht unmittelbar über der Waldgrenze die 1937 erbaute Timberline Lodge. Das Gebäude diente unter anderem als Kulisse für die Aussenaufnahmen des 1980 gedrehten Films «Shining» von Stanley Kubrick nach dem gleichnamigen Roman von Stephen King und mit dem jungen Jack Nicholson in der Hauptrolle.

Timberline Lodge
Der schneesichere Eingang zur Timberline Lodge

Es herrschte reger Ski-Betrieb, und erschien, als wäre die Lodge voll ausgebucht. Mit dem Untergehen der Sonne sanken die Temperaturen deutlich. Eine der Pisten war beleuchtet, und es wurde der Nachtbetrieb wurde eingerichtet. Der Sonnenuntergang war auch sehr schön und gab dem Ganzen noch eine spezielle Note.

Sonnenuntergang am Mount Hood
Sonnenuntergang am Mount Hood

Wir mussten uns etwas beeilen. Zum Einen wurde es nun schnell dunkel und zum Anderen erwarteten wir an diesem Samstag Abend ziemlich viel Rückreise-Verkehr auf dem vor uns liegenden Weg hinunter nach Portland. Und genauso war es auch. Nach etwas mehr als zwei Stunden Fahrzeit sind wir gut aber müde und hungrig im Hampton Inn in Hillsboro, einem Vorort von Portland, angekommen. Abendessen gab es im Nahe gelegenen Applebee’s.

Der heutige Tag bot im positiven Sinn viel Unerwartetes und unvergesslich schöne Eindrücke des winterlichen Oregons mit seinen entlegenen Land- und Ortschaften. Morgen gehts an die Pazifikküste und nach Norden in Richtung Seattle.

Nachfolgend noch eine aufgrund der vielen Erlebnisse etwas umfangreichere Photo Galerie.

 

Photo Galerie und Lightbox Show
«Eine winterliche Reise quer durch Oregon»

 

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