Wir beschwören die alten Geister im Monument Valley

Mit einem Besuch des Monument Valley stand ein weiterer Höhepunkt auf unserem heutigen Programm. Doch bevor wir uns auf den Weg dorthin begaben, besuchten wir das Carl Heyden Visitor Center des Glen Canyon Dam. Diese Talsperre, welche mittels einer Bogengewichtsmauer den Colorado River in Arizona anstaut. Ausgehend vom Stauinhalt ist der entstandene Stauraum, der Lake Powell, nach dem Lake Mead der zweitgrösste Stausee der USA.

Glen Canyon Dam
Der Glen Canyon Dam mit dem Schatten der Glen Canyon Brücke

Die Staumauer von 1956 bis 1964 erbaut. Die Kosten betrugen 187 Millionen US-Dollar. Mit 216 Meter Konstruktionshöhe ist sie die fünfthöchste Talsperre der USA. Die Höhe über dem ehemaligen Flussbett beträgt 178 m. Die Mauerkrone ist 475 m lang bei einer Breite von 7,6 m. Die Mauer ist am tiefsten Konstruktionspunkt 91 m breit, die grösste Breite wird am rechten Widerlager mit 106 m erreicht. Die Mauer umfasst ein Betonvolumen von 3.750.000 m³. Unmittelbar am unterwasserseitigen Fuss der Staumauer befindet sich das quer zum Fluss angeordnete Krafthaus, in dem acht Maschinensätze zur Gewinnung von Wasserkraft untergebracht sind.

Glen Canyon Brücke
Blick hinunter von der Glen Canyon Brücke

Um während der Bauarbeiten das Wasser des Colorado River umzuleiten, sprengte man auf jeder Seite der Schlucht einen Tunnel durch den roten Sandstein. Dadurch wurde das eigentliche Flussbett im Bereich der Baustelle trockengelegt. Da der Weg für Fahrzeuge von einer Seite der Schlucht auf die andere mehr als 200 Meilen betrug, baute man in unmittelbarer Nähe die Glen-Canyon-Brücke, die 1959 fertiggestellt wurde. Am 17. Juni 1960 begannen die Betonierarbeiten für die Staumauer, die drei Jahre lang Tag und Nacht nicht unterbrochen und am 13. September 1963 beendet wurden. Für die am Bau beschäftigten Arbeiter und ihre Familien wurde 1957 in unmittelbarer Nähe ein Camp errichtet, aus dem sich später die Stadt Page entwickelte. 17 Bauarbeiter starben während der zehnjährigen Bauzeit. Im Jahre 1963 begann man dann, den Fluss zu stauen. Ab 1963 wurden die Turbinen und Generatoren installiert. Die letzten beiden Generatoren wurden 1966 in Betrieb genommen. Es dauerte 17 Jahre, vom 13. März 1963 bis zum 22. Juni 1980, den Stausee komplett zu füllen. Das Carl Heyden Visitor Center ist nach einem bekannten Politiker benannt worden. Carl Heyden war für seinen Bundesstaat Arizona von 1912 bis 1927 für acht Amtszeiten Abgeordneter im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten (Quelle: Wikipedia).

Wir fuhren dann noch zum Glen Canyon Dam Overlook, von welchem man einen guten Blick aus der Ferne auf die Staumauer hat. Ein kurzer Weg führt hinunter zur Aussichtsplatorm. Die Hinweisschilder sind unbedingt zu beachten. Man fällt nur einmal.

Glen Canyon Dam Overlook
Glen Canyon Dam vom gleichnamigen Overlook Point aus gesehen

Einen nächsten Halt legten wir in der Nähe von Wahweap ein. Wir wollten bei idealen Lichtverhältnissen des Lone Rock besichtigen. Dieser liegt eindrücklich inmitten der Wahweap Bay. Bei unserem letzten Besuch am Nationalfeiertag des letzten Jahres herrschte am Strand bei Temperaturen von um die 40 Grad Celsius Partytime (Link). Heute waren wir die einzigen Besucher.

Der Lone Rock überwacht die Wahweap Bay
Der Lone Rock überwacht die Wahweap Bay

Könnt ihr euch vorstellen, auf den Lake Powell Hausbootferien zu machen ? Wir ja ! Das ist äusserst beliebt und in der Wahweap Marina lagen unzählige Hausboote in allen Ausführungen und Grössen vor Anker und warteten auf die zukünftigen Mieter.

Wahweap Marina
Die Hausboote liegen in der Wahweap Marina vor Anker

Eigentlich wollten wir jetzt den Horseshoe Bend bei Page besichtigen, nachdem wir letztes Jahr einfach daran vorbeigefahren sind. Der Horsehoe Bend ist eine unglaubliche Schlaufe des Flusslaufs des Colorado Rivers ähnlich demjenigen im Gosseneck State Park in Utah. Unser Vorhaben gestaltete sich aber nicht so einfach. Wir mussten feststellen, dass der Parkplatz sowie der Zugang zum Aussichtspunkt komplett neu angelegt werden. Eigentlich hätten die Bauarbeiten bereits abgeschlossen worden sein, aber da gibt es wohl Verzögerungen. Wir wurden freundlich informiert, dass in einiger Distanz parkiert werden muss. Von diesem zentralen Parkplatz fahren gegen Bezahlung von fünf Dollar pro Person grosse Busse im Shuttle Betrieb hin und her. Wir wollten das eigentlich machen und fuhren zu diesem provisorischen Parkplatz, wo der nächste Bus bereits mit laufenden Motoren wartete. Bezahlt wurden musste in Bar und Karten wurden nicht akzeptiert. Leider fehlten uns die zehn Dollar (!) und eine Buchung über das Internet wäre wohl möglich gewesen, erschien uns aber zu viel Aufwand. Aber der eigentliche Grund war der grosse Menschenauflauf an diesem schönen Sonntag. Wir verschoben den Besuch des Horseshoe Bend also auf das nächste Mal.

Horseshoe Bend
Horseshoe Bend (Quelle: http://www.horseshoebend.com)

Nun wurde es Zeit, in Richtung Monument Valley aufzubrechen, damit wir dort den Sonnuntergang nicht verpassen. Vor uns lagen 200 Kilometer Wegstrecke, was ungefähr zwei Stunden reiner Fahrzeit entspricht. Kurz nach Page entlang des Highway 98 sind verschiedene Anbieter für Touren zu dem weltbekannten Antelope Canyon zu finden. Da dieser unter Verwaltung der Native American steht, sind Privatbesichtigungen nicht erlaubt. Wir entschieden uns noch spontan, kurz nach Norden zum nahe gelegenen Antelope Point zu fahren. Wir hofften, auf einen schönen Aussichtspunkt zu stossen, was sich nur jedoch nur teilweise erfüllte. Immerhin kann man bei der Bootrampe ans Wasser des Lake Powell.

Der Lake Powell bei der Boat Ramp beim Antelope Point
Der Lake Powell bei der Boat Ramp beim Antelope Point

So, nun aber weiter. Das nächste, was ins Auge springt, ist die Navajo Generating Station. Dies ist ein Kohlekraftwerk mit einer Leistung von 2’250 Megawatt, welches in der Navajo Nation Reservation. Es versorgt dessen Kunden in  den Staaten Arizona, Nevada und Kalifornien mit Strom. Zudem wird die Energie genutzt, um jährlich eine Menge von 1,85 Mrd. Liter Wasser aus dem Colorado River für das Central Arizona Project nach Zentral- und Südarizona zu pumpen. Standortfaktoren waren in erster Linie das verfügbare Wasser für die Kühlung sowie die relative Nähe zur Kohlegrube.

Navajo Generating Station
Die Navajo Generating Station süd-östlich von Page am Highway 98

Die Ortschaft Page und der Highway 98 boten zudem eine bereits existierende Infrastruktur, die eine Grundlage für den Bau und den Betrieb des Projektes bot. Es wurde zwischen 1974 und 1976 zu einem Gesamtpreis von circa 650 Millionen US-Dollar fertiggestellt und 20 Jahre später mit mehreren Rauchgasentschwefelungs-Anlagen ausgestattet (Quelle: Wikipedia). Auch wenn die entstehenden Abgase jetzt im Rahmen der Norm liegen und laufend überwacht werden, sieht es für das Auge doch etwas anders aus. Der Weg führte uns durch eher entlegene Gegenden und Gebiete des Indianerrservates der Navajo. Vom Wohlstand, wie er noch in Page sichtbar war, ist hier nicht mal ansatzweise zu vermuten.

Das verlassene Anasazi Inn beim Tsegi Canyon
Das verlassene Anasazi Inn am Highway 160 beim Tsegi Canyon in der Nähe des Navajo National Monuments

Am späten Nachmittag sind wir gut in der Goulding’s Lodge, früher unter dem Namen Goulding’s Trading Post bekannt, angekommen. Verschiedene Gebäude beherbergen eine Lodge, eine Trading Post sowie ein Museum. Vor zwei Jahren ist noch eine Überbauung mit Cabins hinzugekommen. Genau eine solche haben wir uns heute morgen im Internet zu Nebensaison Preisen noch reservieren können. Von Nebensaison war aber nichts zu spüren. Das Monument Valley zieht unabhängig von den Jahreszeiten die Besucher in seinen Bann. Der Name stammt von Harry Goulding, welcher den bekannten Regiseur John Ford mit dem Monument Valley bekannt machte. Sein erster Film, Stagecoach mit dem jungen John Wayne, wurde Ende der 1930er Jahre im Monument Valley gedreht.

Nach dem Einchecken und Bezug der Cabin führte unser Weg direkt zum gegenüber liegenden zentralen Aussichtspunkt des Monument Valleys beim The View Hotel, welches übrigens trotz horrender Nebensaison Preisen zumindestens im Internet ausgebucht war. Vor Ort erschien es uns, als wäre es nicht voll belegt. Egal, wir kamen in den Genuss eines tollen Sonnenuntergangs und schossen noch zahlreiche Schnappschüsse in toller Umgebung. Als Nachtessen gab es in unserer Cabin die Leftovers des Pulled Pork vom Vorabend sowie Sandwiches.

Monument Valley

Monument Valley

Ein toller Tag mit unbeschreiblich vielen schönen Eindrücken und Erinnerungen ging zu Ende. Morgen geht es im Monument Valley weiter. Mehr dazu im nächsten Blog. Jetzt noch für alle, die noch nicht genug haben, hier noch ein paar weitere Schnappschüsse des heutigen Tages.

 

Photo Galerie und Lightbox Show
«Rund um Page und Geisterbeschwörung im Monument Valley»

 

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