Wir erreichen Honningsvåg hoch im Norden Norwegens

Auch an diesem Morgen des sechsten Tages auf See lohnte es sich wieder, warm eingekleidet auf Deck zu gehen. Je weiter wir in Richtung Norden vordrangen, desto karger wurde die Landschaft. Es gelangen uns wieder ganz tolle Stimmungsbilder auf dem Weg nach Honningsvåg auf der Insel Magerøya, an dessen nördlichster Stelle sich das Nordkapp befindet.

MS Polarlys
Die karge Landschaft des Nordens

Pünktlich um 11:15 Uhr erreichten wir Honningsvåg und legten am Hafen an. Wir hatten die Exkursion «Besuch zweier Fischerdörfer» gebucht und waren gespannt auf das, was uns erwartete. So viel aber schon mal vorweg: Es sollte ein echter Höhepunkt unserer Hurtigruten Reise werden.

Die Insel Magerøya (Norwegisch für «Karge Insel») liegt im Nordatlantik etwa sechs Kilometer vom Festland entfernt. Hauptort der Insel ist das an der Südküste gelegene Honningsvåg mit einer Bevölkerung von ungefähr 2’400 Einwohnern. Die wichtigste Touristenattraktion ist das im Norden der Insel liegende Nordkap.

Der Hafen von Honningsvåg
Die MS Polarlys läuft im Hafen von Honningsvåg ein

Die Insel Magerøya hat insgesamt rund 3’100 Einwohner. 2004 waren es noch rund 4’000, und 1960 rund 5’300. Haupterwerbszweig ist nebst dem Tourismus natürlich die Fischerei. Auch einige kleinere Dienstleistungsfirmen haben sich hier angesiedelt. Die Einwohnerzahl ist aber rückläufig und vor allem jüngere Leute verlassen die Insel und suchen ihr Glück im Süden von Norwegen.

Im 16. Jahrhundert befanden sich auf der Insel neun Fischerdörfer und insgesamt sechs Kirchen. Die Bewohner lebten damals vom Fischfang und dem Transport und Verkauf von Trockenfisch nach Bergen. Im 17. Jahrhundert gingen die Fischpreise zurück. Auch die Bevölkerungszahl sank deutlich. Ende des 17. Jahrhunderts bestand die Idee auf Magerøya eine Stadt zu bauen, um der negativen Wirtschaftsentwicklung entgegenzuwirken. Der Vorschlag wurde jedoch nicht umgesetzt. Im 19. Jahrhundert erlebte die Fischerei eine neue Blüte. Die Bevölkerungszahl stieg durch Zuwanderung an, wobei sich eine Konzentration auf die etwas grösseren Orte ergab. Ab 1853 wurden Orte auf der Insel auch von Dampfschiffen angelaufen. Um die Jahrhundertwende wurden mehrere Strassenbauprojekte auf Magerøya umgesetzt. Auch Telegrafie und Telefon wurden eingeführt. Im Jahr 1929 wurde die gesamte Insel unter Naturschutz gestellt.

Im Hafen von Honningsvåg
Im Hafen von Honningsvåg

In den kurzen Polarsommern spriessen auf Magerøya etwa 400 verschiedene Pflanzen, wie Blütenpflanzen, Flechten, Moose und Gräser. Eine dieser Pflanzen, die Rentierflechte, bildet die Hauptnahrung der Rentiere, die während der kurzen Sommerperiode auf der Insel weiden. Es handelt sich um Rentiere der Samen aus der Stadt Karasjok, nahe der norwegisch-finnischen Grenze. Heute werden die Rentiere im Frühjahr mit Lastwagen und Landungsbooten der norwegischen Marine zur Insel transportiert. Im Herbst sind die Tiere dann so weit zu Kräften gekommen, dass sie die knapp zwei Kilometer lange Strecke zum Festland schwimmend zurücklegen können. (Quelle: Wikipedia). Dieses Ereignis haben wir leider verpasst. Die letzten Rentierte hatten die Insel schwimmend wenige Tage vor unserer Ankunft verlassen.

Wir wurden mit einem modernen Reisebus abgeholt, und die Fahrt nach Skarsvåg konnte losgehen. Wir waren nun so weit im Norden, sodass alles mit dem Attribut «das nördlichste» versehen werden kann. Das gilt für die nördlichste Tankstelle der Welt genauso wie für das nördlichste Fischerdorf der Welt, Skarsvåg, dem ersten Ziel unseres heutigen  Ausflugs. Wir machten noch kurz Halt an einem Aussichtspunkt mit tollem Blick auf den Risfjorden.

Blick auf den Risjorden auf dem Weg nach Skarsvåg

Die karge Tundra Landschaft, die schon leicht mit Schnee bedeckt war, lässt erahnen, weshalb hier immer weniger Leute wohnen. Landschaft und Klima verlangen den Leuten viel ab. Nach einer kurzen Fahrt sind wir gut in Skarsvåg angekommen. Ich habe das Örtchen zu Fuss erkundet, währenddessen der Rest der Reisegruppe an einem  interessanten Vortrag einer Bewohnerin und Vertreterin des lokalen Hausfrauenvereins von Skarsvåg teilnahm. In den langen und strengen Polarwintern treffen sich die Einwohner regelmässig, tauschen sich aus, helfen sich gegenseitig und fertigen wunderbare und qualitativ hochstehende Strickwaren, welche sie verkaufen. Wir kauften eine schöne Norweger Mütze für Elliott.

Skarsvåg
Skarsvåg – das nördlichste Fischerdorf der Welt – mit Hafen
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In Skarsvåg leben 40 Einwohner. Davon sind 20 Samen, welche nur den Sommer hindurch hier leben. Seit längerem gibt es keine Kinder in Skarsvåg, weshalb die Schule im Jahr 2012 geschlossen wurde. Dafür beherbergt Skarsvåg den nördlichsten Campingplatz der Welt.

Aus dem Jahr 1871 ist ein Bericht des Amtmannes überliefert, in dem eine ertragreiche Fischerei in Skarsvåg beschrieben wird. Die Fischerboote des Orts waren grösser als in anderen Dörfern. Es wurde tief gefischt, so dass insbesondere die Angelfischerei begünstigt war. Es bestand ab 1872 eine regelmässige Schiffsverbindung zu anderen Häfen der Region- Im Jahr 1875 lebten im Ort 28 Menschen. Ab den 1890er Jahren profitierten die Einwohner des Orts vom beginnenden Tourismus zum Nordkap. Die Frauen Skarsvågs betrieben ein Café und einen Souvenirladen in der damals als Anladungsort und Aufstieg zum Nordkap genutzten Bucht Hornvika. In den 1930er Jahren konnten Fischer bereits mehr mit dem Transport von Touristen zum Nordkap als mit der Fischerei verdienen.

Skarsvåg
Fischerboote warten auf den grossen Fang

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Skarsvåg am 6. November 1944 während des Unternehmens Nordlicht von deutschen Truppen vollständig zerstört und die Bevölkerung zuvor zwangsweise evakuiert. Es blieb lediglich ein Haus in Mefjord nahe Skarsvåg erhalten. Einige Einwohner des Orts entzogen sich der Evakuierung und lebten in Unterschlupfen in der Umgebung. 1947 wurde im Ort ein Hausfrauenverein gegründet. An das Stromnetz wurde Skarsvåg im November 1953 angeschlossen.

Das Wetter spielte absolut verrückt. Im Minuten Takt wechselten sich Schneefall und Sonnenschein ab. Wir bestiegen den Reisebus und machten uns auf den Weg nach Kamøyvær. Die etwas sportliche Fahrt führte über mittlerweile schneebedeckte Strassen. Wir erfuhren erst später, dass der Reisebus mit Spikes bestückt war und der Fahrer von hier war.

Kamøyvær
Kamøyvær

Kamøyvær ist ein Fischerdorf in der norwegischen Kommune Nordkapp. Die Ortschaft liegt ganz innen am Kamøyfjord auf der Ostseite der Insel Magerøya, rund 10 km nordwestlich von Honningsvåg. Kamøyvær hat rund 70 Einwohner. Der seit der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert besiedelte Ort verfügt über einen Kindergarten und eine Schule.

Hafen Gebäude in Kamøyvær
Hafen Gebäude in Kamøyvær

Wir besuchten noch die Ausstellung und Gallerie «East of the Sun» von Eva Schmutterer, eine hier ansässige Künstlerin aus Nürnberg in Deutschland. Ihre Bilder, welche sie aus Recycling Materialien, wie Papier und Karton herstellt, bringen das arktische Leben ausgezeichnet zum Ausdruck. Sie freute sich über den Besuch, und war offensichtlich froh, wieder mal Deutsch sprechen zu können.

Kamøyvær
Ein Regenbogen über dem Hafen von Kamøyvær

Unser Besuch neigte sich nun dem Ende zu. Wir fuhren zurück zur MS Polarlys, welche im Hafen von Honningsvåg auf uns wartete. Voller unvergesslicher Eindrücke legten wir in Richtung Osten ab. Der nächste Hafen mit Landgang erwartete uns in Kirkenes, einer Stadt nahe der Russischen Grenze.

Um 15:30 Uhr nahmen wir im Auditorium an einem spannenden Vortrag des Expeditions Teams teil. Ein Mitglied des Teams lebt seit 15 Jahren auf Spitzbergen. Sie schilderte das Leben auf Spitzbergen auf eine packende Art und Weise. Es war so spannend, dass wir spontan entschieden, dorthin einmal eine Hurtigruten Reise zu unternehmen.

MS Polarlys
Alle hören gespannt zu

Auf unserem Kurs in Richtung Kirkenes fuhren wir am späten Nachmittag in der Nähe der Ortschaft Kjøllefjord an der bekannten Felsengruppe Finnkirka vorbei. Wie der Name schon erahnen lässt, erinnert das Erscheinungsbild dieser Felsengruppe an eine Kirche. Es wird vermutet, dass hier in alten Zeiten ein Opferplatz der Samen war.

Finnkirka
Die Felsengruppe genannt «Finnkirka»

Das heutige Nachtessen hatten wir uns redlich verdient. Es war angerichtet und wie immer köstlich. Wir hatten gerade den Nachtisch gegessen, als eine Lautsprechergruppe auf gesichtete Nordlichter aufmerksam machte. Es hielt niemanden auf den Sitzen. Die Passagiere stürmten mit allen möglichen Kameras ausgerüstet die Aussendecks. Auch wir wollten uns dieses Spektakel nicht entgehen lassen.

Polarlichter entstehen, wenn elektrisch geladene Teilchen des Sonnenwinds aus der Magnetosphäre (hauptsächlich Elektronen, aber auch Protonen) auf Sauerstoff- und Stickstoffatome in den oberen Schichten der Erdatmosphäretreffen und diese ionisieren. Bei der nach sehr kurzer Zeit wieder erfolgenden Rekombination wird Licht ausgesandt. Durch die Energieübertragung rutschen die Elektronen also eine Schale nach aussen, danach aber wieder auf die ursprüngliche Schale zurück, wenn man das Bohrsche Atommodell als Grundlage nimmt. Dabei wird elektromagnetische Strahlung emittiert, es wird Licht ausgesandt. Die Energie stammt ursprünglich aus Emissionen der Sonne (Quelle: Wikipedia).

Polarlichter, die auf der Nordhalbkugel erscheinen, werden auch Nordlichter genannt. Diejenigen der Südhalbkugel entsprechend Südlichter.

Wer dachte, das wäre genug für heute, täuscht sich. Zur späten Stunde, nach dem Treffen mit dem Expeditionsteam zum Thema Mitternachtssonne und Polarnacht, kreuzten wir die MS Finnmarken. Es ist üblich, dass dies gebührend gefeiert wird. Und so verwandelte sich die MS Polarlys in ein lautes Partyschiff.

 

Und hier noch zusätzliche Bilder für alle, die noch nicht genug haben:

Photo Slide und Lightbox Show «Hoch im Norden»
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