Von Haast River nach Hokitika

Die Nacht war sehr stürmisch, nass und kalt. Der Wind liess die Wände erzittern, und wir mussten schon vor Zubettgehen, die Elektroheizung in Betrieb nehmen. Am nächsten Morgen hatte sich das Wetter aber deutlich beruhigt und es regnete auch nicht mehr. Wir checkten aus und fuhren der Küstenstrasse in Richtung Süden nach Jackson Bay, einem kleinen Ort ungefähr eine Stunde von Haast River entfernt.

Die Fahrt führt entlang der rauhen Küste durch wenig oder zumeist gar nicht besiedeltes Gebiet. Die ersten Europäischen Einwanderer hatten mit den widrigen Verhältnissen zu kämpfen. Garstiger Wind, viel Regen, die Sand Flies und tiefe Temperaturen beherrschen das Bild. So war es auch heute, zumindestens in der Gegend südlich von Haast River.

Die Küstenstrasse endet in Jackson Bay, welches aus einem Schiffssteg und ein paar Häusern besteht. Auf den letzten Kilometern bis Jackson Bay wurde ein absolutes Parkverbot verhängt. Die Hänge sind rutschig und es ist jederzeit mit Schlamm- und Gerölllawinen zu rechnen. Findet ihr die lästigen Sand Flies auf einem der nachfolgenden Bilder:

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Vor uns lagt ein langer Weg über vier Stunden reiner Fahrzeit oder über 320 Kilometer Wegstrecke mit zahlreichen Höhepunkten. Zudem verhinderten die gnadenlos stechenden Sand Flies ein weiteres Verweilen in hübschen Jackson Bay.

Karte-Jackson-Bay

Wir fuhren auf demselben Weg wieder zurück nach Haast River. Eine Alternative gibt es eh nicht.

Pinguin-Tafel

Selbstverständlich hielten wir Ausschau nach Pinguinen, welche hier offenbar die Strasse kreuzen. Leider blieb uns eine Begegnung mit den watschelnden und drolligen Pinguinen versagt.

Den nächsten Halt machten wir beim Knights Point Lookout rund 30 Kilometer nördlich von Haast. In Richtung Westen eröffnet sich die rauhe Tasman Sea und das ungefähr 1700 Kilometer entfernte Tasmanien.

In Richtung Südwesten liegt die Antarktis. Dazwischen gibt ein kein Land. Schon ganz schön eindrücklich für uns Landeier, wenn man so dort steht, und sich das vorstellt.

Knights-Point
Die Tasman Sea in Richtung Antarktis vom Knights Point Lookout aus gesehen

Das Wetter klarte auf, und die Regenwolken wichen der Sonne. Da hatten wir natürlich nichts dagegen. Immer weiter Richtung Norden auf der Küstenstrasse war heute das Thema. Es dauerte keine weiteren 30 Minuten bis wir in der Bruce Bay ankamen. Der Strand mit teilweise schwarzem Sand gilt als einer der Top 10 Strände in Neuseeland. Das überrascht nicht, wie die nachfolgenden Bilder hoffentlich beweisen:

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Über die Bruce Bay weiss Wikipedia folgendes zu berichten:

«Die Bucht befindet sich rund 42 km nordöstlich von Haast und gut 40 km südwestlich des Fox Glacier. Sie besitzt eine Länge von rund 10 km und erstreckt sich in nordöstlich verlaufende Richtung von Heretaniwha Point zum Makawhio Point, zwei markante felsige Erhebungen an der Küste, die in die See hineinragen. Die Bucht wurde nach dem Dampfer „Bruce“ benannt, der 1865 in der Bucht vor Anker ging. Das Schiff diente einer Expedition, die von der damaligen Provinzregierung beauftragt, unter der Leitung von Kapitän Frederick D. Gibson die Bruce Bay und den Hokarita River erforschte. Ausserdem nahm der Dampfer seinerzeit 2700 Unzen Gold auf, die Goldschürfer in der Gegend gesammelt hatten».

Wir fuhren weiter auf dem Haast Highway 6 zur Verzweigung mit der Fox Glacier View Road. Von deren Ende führt ein kurzer und gut angelegter Weg durch den Regenwald zu einem Aussichtspunkt, von wo man aus dem Regenwald einen guten Blick zum Fox Glacier geniessen kann. Nicht, dass ein Gletscher für uns etwas absolut aussergewöhnliches wäre, aber es ist schon faszinierend, im Regenwald zu stehen, und in der Ferne einen (noch) mächtigen Gletscher zu sehen. Das ist einmalig. Uns fiel auch auf, dass das Eis und die Oberfläche bläulich gefärbt waren, und nicht durch Schmutzablagerungen dunkel und grau erscheinen.

Nachfolgend einige Eindrücke von diesem lohnenswerten Abstecher:

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Wir fuhren wieder zurück zum Haast Highway, wo uns völlig überraschend ein Fahrzeug auf der falschen Strassenseite entgegen kam. Nach einer kurzen Schrecksekunde stellten wir fest, dass wir etwas unkonzentriert und wohl noch unter dem tollen Eindruck vom Blick auf den Fox Gletscher, auf der falschen Strassenseite befanden. Das Missgeschick konnte zum Glück noch ohne Folgen mit einem schnellen Spurwechsel behoben werden. Das hätte auch anders ausgehen können.

Wir wollten den Fox Gletscher noch aus der Nähe betrachten und fuhren zum Fox Glacier Access Point. Entlang der Zufahrtsstrasse sind Markierungen angebracht. Diese stehen für den Stand des Gletschers zum auf der Markierung erwähnten Zeitpunkt. Es ist schon beängstigend, wie sich auch hier in Neuseeland der rasche Rückgang der Gletscher bemerkbar macht. Allerdings gab und wird es auch immer wieder Phasen von raschem Wachstum geben.

Es war der Plan zum Gletscher zu wandern. Diesen liessen wir aber in Anbetracht der grossen Distanz und der benötigten Zeit fallen.

Fox-Glacier
Beim Trailhead des Fox Glacier Access Trail
Muraenen-Landschaft
Tolle Farbtöne des Gesteins der Muränen Landschaft

Auf Wikipedia ist folgendes über den Fox Glacier zu lesen:

«Der Fox Gletscher (Maori: Te Moeka o Tuawe) ist ein Talgletscher nahe der Westküste der neuseeländischen Südinsel. Er liegt innerhalb des Westland-Nationalparks. Sein Nährgebiet befindet sich im Bereich der höchsten Gipfel der Neuseeländischen Alpen und wie auch der 25 km weiter nördlich liegende Franz-Josef-Gletscher fliesst er von dort die steile Westflanke des Gebirges hinab und reicht deshalb weit hinunter, von einer Höhe von 3500 m bis fast auf 300 m und dies über eine Fläche von 34 Quadratkilometern über eine Länge von rund 13 Kilometern.

Im Jahr 1852 benannte Leonard Harper Franz-Josef- und Fox-Gletscher nach Victoria und Albert, dem damaligen englischen Königspaar, machte dies aber nicht offiziell bekannt. So kam es, dass beide heute andere Namen tragen. Nachdem der neuseeländische Premierminister William Fox 1872 den beiden Gletschern einen Besuch abstattete, bekam der Fox-Gletscher seinen heutigen Namen.

Der Fox-Gletscher entwässert über den Fox River in die Tasmansee. Durch die Nähe der Ortschaft Fox Glacier Village ist der Gletscher touristisch gut erschlossen. Wenig südlich des Orts zweigt vom State Highway 6 südöstlich eine etwa sieben Kilometer lange Fahrstrasse ab, über die man in die Nähe des Gletschertors gelangen kann».

Der weitere Weg führte uns zur Ortschaft Fox Glacier Village und zum Matheson Cafe, von wo aus eine Wanderung zum Lake Matheson und zum Jetty Viewpoint führt. Wir versuchten uns Glück, von der Terrasse des Matheson Cafes einen Blick auf den Mount Cook zu erhaschen, was uns aber leider weitestgehend verwehrt wurde. Die Wanderung zum Lake Matheson und zum Viewpoint nahmen wir nicht in Angriff.

Mount-Cook
Blick zum Mount Cook vom Matheson Cafe aus

Der zweite weltweit bekannte Gletscher in dieser Region des Westland Tai Poutini National Park ist der Franz Josef Gletscher. Wir konnten von unterwegs einen relativ guten Blick auf diesen werfen.

Franz-Josef-Gletscher
Franz Josef Gletscher und der Westland Tai Poutini National Park

Wikipedia weiss folgendes über den Fox Glacier zu berichten:

«Der Franz-Josef-Gletscher (Englisch: Franz Josef Glacier, Māori: Kā Roimata o Hine Hukatere) ist ein etwa 10 km langer Gletscher im Westland-Nationalpark auf der Südinsel Neuseelands. Er befindet sich auf der Westseite der Neuseeländischen Alpen. Wie sein südlicher Nachbar, der Fox-Gletscher, fliesst er von seinem flacheren Nährgebiet die steile Westflanke dieses Gebirges hinunter. Er entwässert über den Waiho River in die Tasmansee.

Im Jahr 1852 benannte Leonard Harper Franz-Josef- und Fox-Gletscher nach Victoria und Albert, dem damaligen englischen Königspaar. Da er dies aber nicht offiziell bekannt machte, wurde er 1865 vom deutschen Entdecker Julius von Haast nach Franz Joseph I. von Österreich benannt.

Der Gletscher war vor etwa 150.000 Jahren so groß, dass er den Mount Cook und die umliegenden Berge komplett einschloss. Das mehrmalige Schmelzen und Wiederanwachsen des Gletschers hatte zur Folge, dass sich im Tal in Richtung Meer mehrere Hügelketten gebildet haben, die aus dem Moränengestein, das der Gletscher vor sich hergeschoben hat, gebildet wurden. Der Franz-Josef-Gletscher ist ein temperierter Gletscher und fließt pro Tag etwa einen halben Meter. Ein über dem Gletscher abgestürztes Flugzeug wurde deswegen bereits nach vergleichsweise kurzen sieben Jahren wieder vom Eis freigegeben. Die hohe Fließgeschwindigkeit ergibt sich auch durch das viele Wasser, das über Wasserfälle rechts und links des Eises unter den Gletscher fliesst und so als eine Art Gleitmittel dient.

Entstanden ist der Gletscher aufgrund der besonderen Lage der tektonischen Platten, auf denen sich Mount Cook und seine umliegenden Berge befinden. An der Westküste von Neuseeland treffen zwei Kontinentalplatten aufeinander und haben so ein sehr hohes Bergmassiv direkt an der Küste geformt. Die große Menge an Niederschlag ergibt sich aus der Tatsache, dass warme und feuchte Luft über die Tasmanische See herangeführt wird und an dem hohen Massiv stark abkühlt und ausregnet. Dadurch kommt es auf der Westseite der Südinsel Neuseelands zu etwa zehnmal mehr Niederschlag als an der Ostküste.

Ebenso wie der Fox-Gletscher war auch der Franz-Josef-Gletscher einmal so groß, dass er direkt ins Meer kalbte. Auch heute ist er noch gemeinsam mit dem Fox-Gletscher einer der am niedrigsten über Meereshöhe (ca. 400 m) gelegene Gletscher mittlerer Breite. Nachdem der Gletscher zwischen Ende des 19. Jahrhunderts und 1982 deutlich zurückgegangen war und über 3 km an Länge verloren hatte, begann er seit 1982 wieder um etwa 1 km zu wachsen. Seit 1999 hat sich der Trend wieder umgekehrt und der Gletscher wieder an Masse verloren.

Damit ist der Franz-Josef-Gletscher einer der wenigen großen Gletscher, die bislang nicht so stark von der weltweiten Gletscherschmelze betroffen sind. Bis zum Jahrhundertende wird dennoch damit gerechnet, dass der Gletscher weitere 5 km an Länge und etwa 38 % seiner Masse verlieren wird».

Es war bereits späterer Nachmittag, und wir entschieden uns, ohne Umwege nach Hokitika, einem kleinen Küstenstädtchen zu fahren. Dort hatten wir im hübschen Resort Beachfront Accomodation eine Cabin gebucht. Im lokalen Supermarkt erledigten wir noch einige kleine Einkäufe und gewannen mit einem gratis Rubbellos unter kundiger Anleitung des Personals noch eine praktische Einkaufs- respektive Vorratstasche. Ein toller Sonnenuntergang am Strand sowie ein nettes und interessantes Gespräch mit einem Anwohner, der mit seinem Hund Schwemmholz zum Bauen von Skulpturen sammelte, rundeten diesen eindrucksvollen und erlebnisreichen Tag ab.

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. kokopelli sagt:

    ich cha nid surfe 😉

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